Frisch aus Zürich – Topnews: Die Vernichtung der Kleinen

Ein lesenswerter Artikel zum Thema “Zürich”

Im Visier der Vernichter: Dirok am Limmatplatz droht nach 15 Jahren die Kündigung.

Im Visier der Vernichter: Dirok am Limmatplatz droht nach 15 Jahren die Kündigung.

Manchmal packt mich die Wut und ich kann ein wenig Verständnis für die randalierenden Linksautonomen aufbringen, die gegen die Gentrifizierung der Stadt demonstrieren. Wenn ich nicht wüsste, dass es nichts bringt und der Sache sogar schadet, würde ich vielleicht selbst noch einmal ein paar Flaschen gegen die Fassaden der Gentrifizierer schmeissen, um eine totale Ausblutung der Stadt zu verhindern.

Diesmal triffts einen kleinen türkischen Laden im Kreis 5.  Der Immobilienriese Wincasa will die Existenz dieser Menschen zerstören, weil der Laden nicht in ihr Portfolio des Quartiers passt. In einem ähnlich gelagerten Fall streitet die Immobilienfirma vor Obergericht.

Das Muster ist immer dasselbe: Eine Immofirma tritt mit ihren geldgeschnürten Kampfstiefeln in die Weichteile der Stadt und bluten tun dann die Kleinen. Die Lebensraumfresser drucken Broschüren mit hübschen Projektskizzen und schwafeln von «Aufwertung» und «Lebensqualität», meinen aber «Raumnutzungsoptimierung», «Profitmaximierung», «Dividende» und «Wachstum».

«Zürichs Bevölkerung wird immer reicher» las ich letzthin in einer Zeitung. Das ist Bullshit. Zürichs Bevölkerung wird schleichend gegen reichere Bewohner ausgetauscht. Leute wie die Lädelibesitzer stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. Sie werden nicht reicher. Und die Mieten in der Innenstadt machen die Mieter nicht reicher, sie vertreiben sie, um Platz für besser betuchte Zuzüger zu machen. Die einzigen, die wirklich reicher werden, sind die Immobilienfirmen.

In den 80ern waren es Spekulanten, die ihr Schíndluder mit der Stadt trieben, jetzt braucht man nicht mal mehr zu spekulieren. Man «wertet auf», und die Stadtverantwortlichen klopfen einem auf die Schulter und halten Reden bei Eröffnungen von «optimiertem» – oder eher kastriertem – Lebensraum. Man macht aus viel Geld noch mehr Geld und gibt einen Dreck auf die Menschen, die da leben.

Will man sich erkundigen, sieht man, wie feige die Unternehmen sind. Man kriegt Geschwafel von Mediensprechern, deren Worte nicht mal ein Copy/Paste aus dem Mail in diesen Post wert sind. Die eigentlichen Entscheidungträger sind die grauen Männer, ohne Gesicht, ohne zu ihrer Verantwortung stehen zu müssen. Sie leben sicher nicht in den Quartieren, die sie zerstören.

Gerne würde ich so einen Entscheidungsträger mal fragen, warum er die Stadt und das Leben der Leute so gering achtet. Wieso ihm der Gewinn wichtiger sein kann als die Schicksale der Menschen. So von Angesicht zu Angesicht. Aber die Leute sind leider zu feige. Sie sind nicht aufzufinden, versteckt in Struktur und Hierarchie ihrer gesichtslosen Unternehmen, zu feige, den Lädelibesitzern ins Gesicht zu sagen, dass ihnen deren Existenz am A**** vorbeigeht.

Grundsätzlich: Die Stadt gehört nicht den Leuten, die die Häuser besitzen, sie gehört uns allen. Wir bestimmen gemeinsam, was «Aufwertung» bedeutet, was «Lebensqualität» ausmacht.

Wie gesagt, wenns etwas bringen würde, wär ich vielleicht auch wieder auf der Strasse. Aber das bringt nichts. Es wäre eine Geste, um der eigenen Hilflosigkeit etwas schalen Heroismus zu verleihen. Was man aber machen kann, ist, bei den Unternehmen nachfragen, auf ihrer Facebookseite, per Telefon, per Mail, mehrmals täglich. Man kann nach dem Verantwortlichen verlangen und immer, immer wieder fragen:

«Warum macht ihr das Leben dieser Leute kaputt?»

Vielleicht erreicht man ja mal jemanden, der es öffentlich erklärt.

Ein Mückenschwarm kann so lange nerven, bis der Picknicker den Platz aufgibt.

Der Beitrag Die Vernichtung der Kleinen erschien zuerst auf Stadtblog.


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http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/03/15/die-vertreibung-der-kleinen/Die Vernichtung der Kleinen

Klar und deutlich. Guter Artikel welcher der anspruchsvollen Thematik absolut gerecht wird.

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