Frisch aus Zürich – topaktuell: Entköppelung: empörte Heuchelei

Topaktueller Text zu einer Zürcher Frage der heutigen Zeit.

Ziel einer pubertären Kunstaktion: Verleger und Nationalrat Roger Köppel.

Ziel einer pubertären Kunstaktion: Verleger und Nationalrat Roger Köppel.

Das Neumarkt-Theater will Roger Köppel verfluchen, exorzieren und fordert die Leute auf,  sein Heim mit stinkenden Fischen zu besuchen. Das ist eine ziemlich dämliche Aktion, die mich irgendwie an Schulsilvester und pubertäre Trotzreaktionen erinnert. Nicht besonders originell, künstlerisch – ausser in der reinen Provokation – völlig unkreativ und eher unbedarft.

Der Sturm der Entrüstung, der jedoch jetzt gerade durch Stadt und Parteien fegt, ist völlig übertrieben. Nicht verhältnismässig. In der politischen Debatte hat Köppels Partei, die SVP, Menschen als Messerstecher diffamiert und sich viele andere Geschmacklosigkeiten geleistet. Köppels eigenes Blatt brachte ein Roma-Kind mit Pistole auf der Front. Auch hier – ausser in der reinen Provokation – völlig unkreativ und in gewissem Masse sogar unethisch.

Köppel selbst schrieb vor ein paar Wochen verschmustes Editorial über den Nazi-Führer Göring. Eine sanfte Homage mit der Bitte um Verständnis für diesen doch so unverstandenen Kader der Nazischlächter. Sein Parteifreund Claudio Zanetti, bald wohl Chef der Zürcher SVP, twitterte rassistische Neonazi-Inhalte mit dem Tag #WhiteGenocide, und suggerierte in seiner medialen Richtigstellung, dass Migranten einen «Clash of the Cultures» mit ihren Genitalien betrieben.

Die politische und mediale Empörung über solche – wohlegemerkt nicht satirischen oder künsterlischen – Inhalte hielt sich im Verhältnis zum jetzigen Aufruhr in Grenzen. Keine Politiker vor Mikrophonen, die den Verantwortlichen den Job wegnehmen wollten, niemand stand auf und sagte: «Solchen Nazi-Dreck wollen wir nicht in unserer Stadt. Und wir wollen solche Leute nicht mit Steuergeldern finanzieren.»

Wie gesagt, ich finde die Kunstaktion dämlich und für den gesellschaftlichen wie politischen Diskurs kontraproduktiv. Sie macht den Agitatoren und Täter Köppel zum Opfer, dem nun von links bis rechts die Politiker zur Verteidigung zur Seite springen. Sie unterscheidet sich auf der kommunikativen Ebene nicht vom Hakenkreuzplakat am HB.

Aber die Empörung, die diese Aktion in der Zürcher Politikergemeinde auslöst, ist pure Heuchelei. Es birgt absolut kein Risiko, sich gegen eine kleine Gruppe von Künstlern zu äussern und deren Verhalten zu kritisieren. Es ist eine Art M-Budget-Empörung: Sie kostet nichts, man ist sicher auf der richtigen Seite und man setzt sich mit seinen Statements absolut keiner Gefahr aus.

Gegen politische Kollegen, die sich mit Nazi-Inhalten profilieren, hält man sich aber eher zurück. Weil die sich wehren können, vor allem, wenn sie gleich auch noch Verleger und Chefredaktoren sind oder bald die als regionale Parteichefs fungieren. Da hält man wohl lieber die Füsse still.

PS: Und kommt mir jetzt nicht wieder mit der «Nazikeule». Ich wars nicht, der Göring verniedlichte und rassistische Tweets von US-Neonazis verbreitete.

Der Beitrag Entköppelung: empörte Heuchelei erschien zuerst auf Stadtblog.


Link: ZUR QUELLE Entköppelung: empörte Heuchelei

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/03/17/die-ungleiche-empoerung/Entköppelung: empörte Heuchelei

Dem Verfasser des Artikels ist es gelungen das Thema kompetent zu behandeln.

Advertisements
Tagged with: , , , , ,
Posted in Zürich: Top aktuell

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: