Zürich-News: Der Städter und der Wolf

Ein lesenswerter Artikel zum Thema “Zürich”

Dieser Wolf starg stellvertretend für einen Städter.

Dieser Wolf starb stellvertretend für einen Städter.

«Ihr Städter habt ein romantisches Bild vom Wolf!», kommt der Vorwurf aus dem Wallis und dem Bündnerland, wenns um den Schutz dieser Art geht.

Nun ja, wenn «romantisch» heisst, dass wir nicht alles umbringen und abknallen, was unser Leben vielleicht etwas komplizierter macht, haben sie recht. Schliesslich schiessen wir auch nicht auf all die ausserkantonalen Autofahrer, die sich zwei Mal im Jahr in den Dschungel der Mittelgrossstadt verfahren. Und die richten in Zahlen und Blut mehr Schaden an als alle Wölfe in unseren Bergen gemeinsam.

Natürlich gibts die Kitschtanten, die samtene Poster von Wölfen, die den Mond anheulen, an ihren WC-Türen hängen haben. Aber das sind nicht die Leute, die sich nachhaltig  für den Wolf einsetzen. Und wer dem WWF oder anderen Arten- und Tierschutzgruppen ein romantisiertes Bild unserer Fauna vorwirft, hat nichts begriffen.

Die Wölfe werden nicht abgeschossen, um die Schafe zu schützen. Die Schäfer sehen die Wölfe nämlich nicht. Und sie kämen auch nie auf die Idee, die Alpen planieren zu lassen, weil ihnen das Vielfache an Schafen durch Abstürze stirbt, als durch den Wolf gerissen wird. Von 208 974 gesömmerten Schafen im Jahr 2014 starben 4221 hauptsächlich durch Krankheiten oder besondere Ereignisse wie Blitz- oder Steinschlag. Demgegenüber stehen lediglich 294 Tiere (7%), die schweizweit von Grossraubtieren wie Wolf und Bär gerissen wurden. Hätte man konsequent Herdenschutz betrieben, wäre diese Zahl annähernd Null gewesen. (Ehrlich, wir bezahlen diese 300 Tiere gern aus der Portokasse der Stadt.)

Man begegnet dem Wolf nicht einfach so. Man muss den Wolf jagen, um ihn zu schiessen. Oder, wenn man schon ein wenig fett um die Hüften ist, und nicht mehr so durchs Dickicht walzen mag, muss man ihn mit Ködern anlocken, um ihn – oft unsachgemäss mit Schrot für Füchse – zu massakrieren. Diese absolut nutzlose Wolfsabschlachterei im Wallis und im Graubünden hat direkt mit den Städtern zu tun. Der Wolf stirbt stellvertretend für den Städter. Wenn CVP-Politiker aus den Bergkantonen wie  alt-Ständerat René Imoberdorf der gefährdeten Art den Schutz absprechen wollen, gehts nicht um den Wolf als Tier, sondern um den Wolf als Symbol für die Faust im Sack gegen die Übermacht der Städter. Eine trotzige Rebellion auf Kosten einer aussterbenden Art.

Die Bergkantone müssen sich von den urbanen Kantonen vorschreiben lassen, wann sie auf wen ihre Flinte richten dürfen. Das untergräbt natürlich das archaische Selbstbild des trutzigen Mannes von den Bergen. Wenn man dann noch die nationalen Ausgleichszahlungen dazu nimmt, ohne die sich diese Männer ihre Lebensart gar nicht mehr leisten könnten, kann man verstehen, dass sie sich manchmal wie eine ausgehaltene Geliebte fühlen – die nur am Wochenende und in den Ferien besucht wird  – und die dafür während der Woche das Lieblingshaustier des Geldgebers quält.

Gibts überall auf der Welt: Männer die für Selbstwert Tiere töten.

Gibts überall auf der Welt: Männer, die für ihren Selbstwert Tiere töten.

Wenn man also jemandem ein «romantisiertes» Weltbild vorwerfen könnte, dann den alten, weissen Männern, die ihre Freiheit und ihre Männlichkeit darüber definieren, was sie vor ihrer Haustür totmachen dürfen. Mit dem Schutz von irgendwas ausser dem archaischen, männlichen Selbstbild hat das überhaupt nichts zu tun. Es ist der reine Trotz einer aussterbenden Art. Es ist die hilflose Rache an den Städtern.

PS: Von mir aus sollen diese Männer ruhig den Wolf töten dürfen. Aber nur mit einem Schweizer Sackmesser bewaffnet. Um das natürliche Gleichgewicht zu halten.

Der Beitrag Der Städter und der Wolf erschien zuerst auf Stadtblog.


Click: zum gut gelungenen Eheringe-Bericht Der Städter und der Wolf

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/03/19/staedter-und-der-wolf/Der Städter und der Wolf

Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

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