Frisch aus Zürich – topaktuell: Wissen hilft bei der Integration

Ein topaktuller Bericht zu diesem spannenden Topic!

Wer mehr vom Leben, der Kultur und der Religion der anderen weiss, tut sich leichter mit der Akzeptanz. Foto: Picture Alliance

Mediale Aufregung und die Anrufung der Gerichte sind nur beschränkt geeignet, mehr Sicherheit und Klarheit im Umgang mit einer multikulturellen Schülerschaft zu gewinnen. Im Kanton Zürich ist man deshalb schon früh der Devise gefolgt: Klare Regeln und klare Rechte an den Schulen sind das beste Rezept. Das heisst zum Beispiel: Auf die Speisegebote von Muslimen und Juden wird Rücksicht genommen, die hohen Feiertage der Weltreligionen sind abschliessend aufgelistet und werden als Freitage gewährt. Wie der Streit um das Kopftuchtragen und neuerdings das Händeschütteln zeigt, lässt sich die Problematik damit aber nicht ausreichend bewältigen.

Unsere Schulen sind den Grundsätzen unserer Verfassung verpflichtet, das heisst der Gleichstellung der Geschlechter, der Meinungsäusserungsfreiheit und der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und -gläubigen. Sie haben diese Grundsätze im Schulalltag zu vermitteln und zu leben.

Die Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen findet in unserer Gesellschaft keine Rechtfertigung. Vom Ausschluss von Frauen oder Mädchen aus bestimmten religiösen Positionen oder Ritualen – wie es sie auch in der christlichen Kirche gibt – dürfen keine Regeln für das Verhalten an Schulen abgeleitet werden. Die Verweigerung von Knaben, der Lehrerin die Hand zu geben, weil sie eine Frau ist, darf nicht toleriert werden. Mädchen müssen auch zum Schwimmunterricht, weil Schwimmen zum Schulstoff gehört. Mit Rücksicht auf die Gebote ihrer Religion dürfen sie aber besondere Schwimmanzüge tragen. All das haben wir schon mehrfach gehört und gelesen. Da das Leben erfinderisch ist, kommen immer wieder neue und zuweilen knifflige Fragen auf. Es darf nicht sein, dass ihnen im Schulalltag einfach aus dem Weg gegangen wird und auf eine gerichtliche Klärung durch das Bundesgericht gewartet wird. Toleranz und Respekt müssen von Kindesbeinen an gelernt werden. Deshalb müssen Konflikte, die an Schulen aufbrechen, vor Ort ausgetragen werden. Das wissen die Lehrpersonen, die Schulen und die Schulbehörden selber am besten. Kulturell und religiös bedingte Spannungen und Missverständnisse sind Teil des heutigen Schulalltags und müssen fachlich und überfachlich thematisiert und einer Lösung zugeführt werden.

Damit Lehrerinnen und Lehrer mehr Handlungssicherheit gewinnen, braucht es fundiertes Wissen über kulturelle und religiöse Grundsätze, Verhaltensvorschriften und Symbole. Und es muss zwischen religiösen Ritualen und gesellschaftlichen Handlungsweisen unterschieden werden können. Das vom Zürcher Bildungsrat vor bald 10 Jahren eingeführte Fach «Religion und Kultur» legt die Basis für den Erwerb dieser Kompetenzen. Die eigens dafür erarbeiteten Lehrmittel für alle Schulstufen der obligatorischen Schule zeigen den Lehrpersonen den didaktischen Weg anhand von interessanten Geschichten, Symbolen und Gleichnissen aus den grossen Weltreligionen. Sie weisen auch auf die Ähnlichkeiten von Ritualen hin – seien es solche der Trauer oder der Freude – und erklären Differenzen und ihre Entstehungsgeschichte. Sie erklären den Schülerinnen und Schülern die Bedeutung religiöser Riten und Symbole und ihrer Wiedergabe im täglichen Leben. Das Fach Religion und Kultur stösst seit seiner Einführung sowohl bei den Lehrpersonen wie bei den Schülerinnen und Schülern auf grosses Interesse. Es öffnet die Augen für die Vielfalt von kultischen Handlungen, religiösen Symbolen und vermittelt religionsgeschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge. Es ist so gesehen ein Schlüssel zur Welt, in der wir leben.

Es gibt kein Mittel, fundamentalistische Tendenzen und Auswüchse zu verhindern. Aber es gibt die Aufklärung, der wir seit mehreren Hundert Jahren verpflichtet sind. Sie ist auch die Grundlage unserer Lehrpläne. Und sie ist die beste Prävention gegen den Rückfall ins dunkle Mittelalter der Kreuzzüge, der Hexenverbrennungen und des Mordens aus angeblich religiösen Motiven.

Der Beitrag Wissen hilft bei der Integration erschien zuerst auf Politblog.


Klick HIER: zum gut gelungenen Text Wissen hilft bei der Integration

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/64983/mehr-sicherheit-durch-wissen-ueber-religionen-und-kulturen/Wissen hilft bei der Integration

Ausgezeichnet verfasster Bericht, davon lesen wir gerne mehr!

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