Topaktuelle Zürich – Nachricht: Die neue Sprache der Ausgrenzung

Ein topaktuller Bericht zu diesem spannenden Topic!

A retail trade apprentice of the Swiss Post places a stamp on a letter at the post office Basel 3 Spalen, Switzerland, on January 18, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Eine Lernende der Post in Basel. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Rund um die gymnasiale Aufnahmeprüfung sind sie wieder allgegenwärtig, diese Sätze. «Man soll die Kinder nicht ans Gymi pushen», schallt es einmütig aus allen Foren, Blogs und Elternzeitschriften. Natürlich stimmt das. Was könnte man auch Vernünftiges dagegen sagen? «Kinder am Gymnasium sind nicht glücklicher», wissen Bildungspolitiker. Aha. Umgekehrt aber schon? Interessant ist ja, dass immer genau dann vom Glück und vom Wohl des Kindes die Rede ist, wenn dieses nicht ans Gymi soll. «Es müssen nicht alle an die Uni. Es gibt so gute Alternativen.» Das sind Allgemeinplätze, naturgemäss sind sie nicht falsch. Das Problem ist nur, dass sie instrumentalisiert werden. Dabei folgen sie ziemlich durchsichtigen rhetorischen Mustern: «Jedes Kind ist anders» heisst übersetzt: «Es sollen mehr Kinder eine Lehre machen.»

Der Machtdiskurs, mit dem Kinder vom Gymnasium ausgeschlossen werden, funktioniert heute anders, subtiler. Ein offenes Bekenntnis zu Eliteschule und bewusster Selektion ist selten geworden. Die Wölfe haben Kreide gefressen und lasten nun ihr eigenes Elitedenken genau jenen Eltern an, die teilhaben wollen an ihren Privilegien: an ihrer Bildung und am gesellschaftlichen Aufstieg. Dabei verwenden sie – ein rhetorischer Klassiker – die Werte ihrer Gegner. Noch hallen deren Argumente aus der Reformpädagogik der Sechzigerjahre nach: Handwerkliche Arbeit ist genauso viel wert wie schulische, Leistungsdruck schadet dem Kind, gesellschaftliche Hierarchien sind zu bekämpfen. Das ist zweifellos richtig. Aber sind denn die Hierarchien verschwunden seither? Es ist ein alter Trick der Mächtigen, sich an die Spitze der Pyramide zu stellen und zu behaupten, es gebe gar keine.

Und wie reagieren die Übertölpelten, denen man ausgesucht höflich die Schulhaustüre vor der Nase zuschlägt? Wehren sie sich für ihre Rechte? Das Gegenteil ist der Fall. Sie fühlen sich geschmeichelt, dass man ihre Lehre so rühmt, und bestätigen sich gegenseitig, dass sie gar nicht reinwollen, in dieses Gymi. Sie sonnen sich darin, die einzig kindergerechte Haltung zu verkörpern – ganz im Gegensatz zu den herzlosen Pushern vom Züriberg.

Die neue Sprache der Ausgrenzung gibt sich freundlich und wertschätzend. Sie verwendet gern den linken Diskurs, etwa wenn sie die Gleichwertigkeit der Bildungswege predigt. Sie knüpft aber auch an bei viel älteren Sprach- und Denkmustern: Sie erklärt den Kritiker zum eigentlichen Problem. Das ist ein weiteres Instrument aus der rhetorischen Trickkiste. Tugenden wie Genügsamkeit, Bescheidenheit und christliche Demut eignen sich hervorragend, um aufmüpfige Köpfe unten zu halten und die Forderung nach Teilhabe als Ursünde schlechthin zu brandmarken: als gute alte Hybris. In diesem mittelalterlich anmutenden System, in dem jeder auf seinem Platz bleiben soll, steigt für die Ausgegrenzten eine Haltung zur höchsten Tugend auf: höhere Bildung gar nicht erst anzustreben.

Der Beitrag Die neue Sprache der Ausgrenzung erschien zuerst auf Politblog.


Click: zum lesenswerten Originaltext Die neue Sprache der Ausgrenzung

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/64893/die-neue-sprache-der-ausgrenzung/Die neue Sprache der Ausgrenzung

Wir sind schon sehr auf den nächsten Artikel zu diesem Thema gespannt!

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