Topaktuelle Zürich – Nachricht: Heuchelei & Prostitution

Dieser Bericht bringt es präzis auf den Punkt!

Man will die Spatzen weghaben, bis auf die, die man in einem hübschen Käfig hält.

Man vertreibt sie, um danach mit einem kleinen Vorzeigebordell auf weltoffen zu machen.

Die Stadt soll ein eigenes Bordell betreiben, wird von Zürichs Linken gefordert. Naja, sie soll Prostituierten eine Liegenschaft zur Verfügung stellen. Der Gedanke an sich ist ja löblich, kommt aber jetzt, nachdem die Gegend rund um die Langstrasse gesäubert wird und die Stadt die Prostituierten nach Altstetten deportiert hat, ein wenig wie ein Ablasshandel daher.

Indem die Linke jetzt ungeheuer weltoffen eine Behausung für die Prostutierten fordert, versucht sie sich von Schuld freizukaufen. Schliesslich haben die Genossen und die Grünen sehr aktiv mitgeholfen, die unliebsamen Damen aus dem boomenden Quartier zwischen Europaallee und Zürich West zu entfernen, um die Liegenschaftspreise zu schützen.

Das Bordell der Stadt wär gar nicht notwendig, wenn man nicht versuchen würde, das Geschäft mit dem Sex abzuwürgen. Die städteplanerischen Gründe – euphemistisch «Aufwertung» genannt – sind ja schon fragwürdig genug. Richtig widerlich wirds aber in der moralischen Begründung: Aus feministischer Sicht sei Prostitution verwerflich. Alt Stadträtin Monika Stocker meinte wörtlich «Die bekannten schmuddligen Salons und Hotels sind keine Lösung. Sie sind weder hygienisch noch frauenfreundlich.». Sie würde aus «feministischer Sicht» Prostitution verbieten, wenn das real durchsetzbar wäre. Aber sind dann Edelnutten für Geschäftleute in modisch gepflegten Salons feministisch und moralisch besser als das ganz normale Working Girl, das ihren Job auf einem alten Bett ausübt? Aus feministischer Sicht sollen diese Frauen gefälligst Opfer bleiben.

Hm, ja. Das ist also der Grund, warum man die normalen Sexworkerinnen in an Tierställe erinnernde «Boxen» an den Stadtrand verbannt, wo sie dann ja zum Glück niemand sehen muss. Darum müssen sie an Automaten Nummern lösen, um ihren eh schon schweren Job auszuüben. Darum vertreibt man sie von der Strasse auf Kontaktseiten im Internet, wo sie die Freier in ihren privaten Wohnungen empfangen und so dann gar keinen Schutz  mehr geniessen. Im Gegensatz zu klar deklarierten Sexbetrieben ist eine soziale und behördliche Aufsicht und Kontrolle so inexistent. Wenn ich mir das wieder mal durch den Kopf gehen lassen, krieg ich so einen Hals. So einen Hals. So einen.

Wenn man den Prostituierten nur den geringsten Respekt als Frauen und als Berufstätige entgegenbringen würde, könnten sie ihren Job als ganz normales Gewerbe ausüben. Alle Zürcher Parteien – von rechts bis links – klopfen sich für unsere ach so weltoffene Stadt auf die Schulter. Kultur! Banken! Flughafenanbindung! Nun, wir sind  keine Weltstadt, wenn wir nicht mal einen Rotlichtbezirk aushalten. Wenn aufrechte Bürgerliche und gestandene linke Feministinnen sich gleichermassen vor den Prostituierten ekeln – die einen mit Verachtung, die anderen mit herablassendem, angwidertem Mitleid.

Natürlich soll die Stadt Prostituierten Liegenschaften vermieten. Genauso wie sie einem Schreiner oder einem Detailhändler Räumlichkeiten vermietet. Diese Frauen arbeiten, zahlen Steuern und leisten einen grösseren  Beitrag zum friedlichen Erhalt unserer Gesellschaft als jedes bei der Stadt eingemietete Hipstercafe, das seinen Angestellten kaum überlebensgarantierende Löhne zahlt. Die Clubs, die sich inzwischen zwischen  dem Limmatplatz, dem Albisriederplatz und Zürich West eingenistet haben, belasten die Anwohner um Welten mehr, als die paar Freier, die früher durchs Quartier schlichen. Aber die Prostituierten haben eben keine schicke politische Lobby mit besten Verbindungen in die Politik.

Dass dies überhaupt ein Politikum ist, zeigt die verdammte Heuchelei, die in unserer zwinglianischen Stadt herrscht. Und ein Bordell, für vielleicht zwanzig Working Girls, ist das Feigenblatt, das den Ekel mit Mitleid zudecken soll. Das ist kein Zeichen von Respekt diesen Frauen gegenüber. Das ist pure Herablassung. Man will die Spatzen weghaben, bis auf die paar, die man sich in einem hübschen Käfig hält.

PS: Die Rechte argumentiert mit dem Argument gegen das Bordell, dass die Stadt «nicht mit Steuergeldern» ein Bordell betreiben soll. Was natürlich totaler Schwachsinn ist, da die Damen ganz normal Miete bezahlen würden.

Der Beitrag Heuchelei & Prostitution erschien zuerst auf Stadtblog.


Click: ZUM UMFASSENDEN EHERINGEARTIKEL Heuchelei & Prostitution

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/04/25/das-puff-der-stadt/Heuchelei & Prostitution

Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

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