Topaktuelle Zürich – Nachricht: Der lästige Gast

Dieser Artikel bringt es genau auf den Punkt.

DJ-Neu

Letzten Freitag beklagten sich im 20minuten unter der Überschrift «Clubber haben von DJ-Kultur meist keine Ahnung» die DJs Doobious, Whizkid und Ray Douglas über Clubgäste, die während ihrer Sets zu ihnen in die Kanzel kommen, um sich Songs zu wünschen.

Einzig der ebenfalls zitierte DJ Muri zeigte sich generös: «Wenn es passt, dann sage ich nicht Nein. Die meisten DJs sind ja immer noch Dienstleister. Wenn ich aber House spiele und Du kommst mit einem Schlagerlied-Wunsch, dann hast Du einfach nicht begriffen, wo Du bist». Damit trifft Muri gleich mehrere Nägel auf den Kopf, wenn wohl auch unabsichtlich.

Ray Douglas und Doobious spielen Open Format, Whizkid legt EDM auf. Musikstile, die häufig bei den kommerziellen Radiosendern, in den Charts und auch auf vielen weiteren Kanälen rauf- und runtergespielt werden: «Open Format» bedeutet, dass dieser DJ querfeldein Pop, Rock, House, RnB, etc. zusammenmixt. EDM wiederum ist Charts-affiner und mit Beats unterlegter Leistungspop. Die Leute im Club kennen also in der Regel die Songs, die gespielt werden. Das verleitet sie wohl dazu, dass sie weitere ihnen bekannte Lieder hören möchten und beim DJ danach fragen.

Ganz anders sieht es bei den subkulturell orientierten House- und Techno-DJs aus. Diese Jockeys spielen nicht Lieder von Hitparadenstars, sondern Produktionen von Berufskollegen, sprich anderen DJs, Produzenten und Clubmusikern. Bei diesen Songs geht es meist nur sekundär um den Wiedererkennungswert (selbst wenn auch der Underground seine Hits vorweisen kann), sondern darum, dass sie sich nahtlos und stimmungsvoll ins Set und in dessen Dramaturgie einfügen. Kurzum: Wenn der DJ keine EDM- oder andere Hits spielt, sondern die Gäste mit Techno und House vor sich hertreibt, dann kommen diese seltener in Versuchung sich Songs zu wünschen.

Jedoch müssen die Gäste der Undergroundclubs mit einem anderen Vorwurf seitens «ihrer» DJs und Veranstalter leben und zwar jenem, dass es den Clubbern egal sei, wer da gerade an den Plattentellern stehe und, dass sie in der Regel ein Set von Ben Klock nicht von einem Oliver Koletzki-Mix unterscheiden können (für Rockfans: das ist in etwa dasselbe wie die Musik von Metallica und jene von Coldplay nicht unterscheiden können).

Das mag sehr häufig stimmen, aber die Nightlife-Macher vergessen dabei, dass ihre meist arbeitstätigen Gäste nicht annähernd so viel Zeit in das Anhören von Neuveröffentlichungen investieren können wie sie. Die Clubber erfüllen bereits mit dem Besuch eines bestimmten Clubs oder Veranstalters ihre «fachlichen Pflichten», denn die meisten Lokale und Partylabels in diesem Bereich haben einen musikalischen Fingerabdruck und die Gäste besuchen sie im Wissen, dass ihnen dort die Musik gefällt – mehr kann und sollte man nicht erwarten.

Auch wenn viele DJs dem Statement ihres Kollegen Muri, dass die meisten DJs immer noch Dienstleister seien, vehement widersprechen und sich zu Recht als Clubmusiker sehen… ihr Job ist auch dann noch zumindest Teil eines Dienstleistungsgewerbes.

aaaaaaaaaalex

Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Der Beitrag Der lästige Gast erschien zuerst auf Stadtblog.


Hier: ZUR AUSSERORDENTLICH TOLLEN QUELLE DES TEXTES Der lästige Gast

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/05/23/der-dumme-gast/Der lästige Gast

Der Verfasser des Artikels hat geschafft uns zum nachdenken anzuregen. Danke!

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