Aus Zürich – aktuelle News: Wo sind die Schweizer Helfer?

Topaktueller Text zu einer Zürcher Frage der heutigen Zeit.

http://www.tagesanzeiger.ch/iframe_bildstrecke.html?bildstrecke_id=228477

In den letzten Wochen prasselte einige Kritik auf die Schweizer Hilfswerke und die Glückskette nieder, dass sie auf der Balkanroute oder jetzt in Griechenland den Flüchtlingen nicht genügend zur Seite stehen würden. Diese Kritik wird unter anderem mit der fehlenden sichtbaren Präsenz untermauert. Im Falle unserer Stiftung ist dieses Argument einfach zu widerlegen, da die Glückskette kein Hilfswerk und vor Ort operationell nie tätig ist, sondern als Geldgeber ausschliesslich die Projekte ihrer Schweizer Partnerhilfswerke unterstützt. Gerade in Serbien arbeiten die meisten Schweizer Hilfsorganisationen mit lokalen Partnern zusammen, weshalb nicht das Logo der Schweizer, sondern die Präsenz ihrer lokalen Partner im Vordergrund steht. Dieser Aspekt bleibt aber nicht ohne Folgen für die Wahrnehmung der Schweizer humanitären Hilfe, wie die kritischen Artikel und Kommentare zeigen.

Ich bin vor kurzem von einer Reise aus dem Libanon zurückgekehrt, wo ein Teil der Hilfe für die syrischen Flüchtlinge und die unter Druck geratene libanesische Bevölkerung seit vier Jahren auch von der Glückskette mitfinanziert wird. Ich konnte mir vor Ort persönlich ein Bild davon machen, wie unsere Schweizer Partnerhilfswerke auch hier weitgehend die lokal verankerte humanitäre Hilfe unterstützen und praktizieren. Hilfswerke wie das Schweizerische Rote Kreuz können dabei auf ihr internationales Netzwerk zählen; das Heks (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen) arbeitet mit dem lokalen Partner Najdeh zusammen; Terre des hommes – Kinderhilfe, Medair und Solidar Suisse rekrutieren direkt qualifizierte Mitarbeiter vor Ort. Dank diesem lokalen Ansatz lassen sich humanitäre Prinzipien und Regeln sowie operationelle Richtlinien in die komplizierten kulturellen, politischen und zivilgesellschaftlichen Gegebenheiten einfügen. Die Mitarbeiter der Hilfswerke in der Schweiz oder einzelne ihrer Vertreter vor Ort sind für Ausbildung, Wissenstransfer und Qualitätskontrolle verantwortlich.

Die Weltgemeinschaft arbeitet ebenfalls darauf hin: Im Hinblick auf den ersten humanitären Gipfel Ende Mai in Istanbul hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon vor kurzem darauf hingewiesen, dass es gewisse humanitäre Aktivitäten in Zukunft unbedingt zu stärken gilt. Unter anderem sollen die lokalen Kräfte stärker gebündelt, genutzt und in den Vordergrund gerückt werden («localising humanitarian aid»).

Die lokal verankerte Hilfe hat aber auch Nebeneffekte, welche es zu berücksichtigen gilt: Neben den Schweizer Hilfswerken baut auch das IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz) immer mehr auf das Prinzip der lokal verankerten Hilfe. Der Anteil der Schweizer Delegierten ist auf wenige Prozente gesunken. Damit fällt das IKRK als Ausbildungszentrum von jungen Schweizer Delegierten weg und damit ein grosses Reservoir humanitärer Spezialisten, welches auch anderen Schweizer Hilfswerken oder dem Katastrophenhilfekorps zugute kam.

Aus operationeller Sicht und für die Opfer von Naturkatastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen sind diese Überlegungen zur «Swissness» in der humanitären Hilfe irrelevant, nicht aber für die viel gepriesene humanitäre Tradition der Schweiz. Wenn in der Schweizer Bevölkerung der direkte Bezug zu den Schweizer Helfern, die man persönlich oder aus den Medien kennt, fehlt, wenden sie sich allenfalls immer mehr ab. Obwohl die Schweizer Hilfswerke weiterhin ausgezeichnete Arbeit leisten, diese aber nicht in Bild und Ton mit «Schweizer Präsenz» ausweisen können. Die Lösung liegt auf der Hand, ohne an der «lokal verankerten humanitären Hilfe» zu rütteln: Die Schweiz muss neben den schon bestehenden guten Institutionen eine noch attraktivere Ausbildung für humanitäre Hilfe anbieten. Daneben müssen die Glückskette und ihre Partner vermehrt transparent kommunizieren, dass professionelle und nachhaltige humanitäre Hilfe auf lokale Kapazitäten baut.

Der Beitrag Wo sind die Schweizer Helfer? erschien zuerst auf Politblog.


Klick HIER: ZUM UMFASSENDEN EHERINGEARTIKEL Wo sind die Schweizer Helfer?

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/65361/wo-sind-die-schweizer-helfer/Wo sind die Schweizer Helfer?

Dieser gelungene Bericht behandelt das Thema in unterhaltsamer und doch lehrreicher Art und Weise.

Advertisements
Tagged with: , , , , ,
Posted in Zürich: Top aktuell

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: