Frisch aus Zürich – Topnews: Wenn SVP-Wähler Swetlana heiraten

Lesenswerter Artikel über ein interessantes Zürcher Thema.

Seine «Swetlana» heisst Oxana: René Kuhn, selbsternannter «Antifeminist». Foto: Keystone

Seine «Swetlana» heisst Oxana: «Antifeminist» René Kuhn. Foto: Keystone

Ja, auch bei einem solchen Mann schlägt ein Organ unter der Brust. «Wenn ein Schiff mit Migranten im Mittelmeer versinkt, dann finde ich das eine gute Nachricht», gab der anonymisierte, rechte Internettroll vor einigen Tagen der «Wochenzeitung» (WOZ) zu Protokoll. Der Mann pflegt fremdenfeindliche und sexistische Onlinekommentare zu verfassen, er hasst und hetzt. Und er liebt. Nämlich die Ukrainerin, mit der er verheiratet ist, wie er im WOZ-Interview erklärt. Schon seine erste Frau, von der er sich scheiden liess, stammt aus dem Osten. Und seine Kollegen hätten «alle Ukrainerinnen oder Russinnen».

So wenig das überprüfbar ist, so glaubhaft scheint es – und ruft nach einer Einordnung. Denn Liaisons zwischen stramm rechten Schweizern und Frauen aus dem Ostblock sind längst ein schichtenübergreifender Trend. Der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner fand sein Glück mit Lina aus der Ukraine. Der «Antifeminist» René Kuhn, der nach frauenfeindlichen Äusserungen als Luzerner SVP-Sektionschef zurücktreten musste, posierte bereitwillig mit seiner Oxana aus Russland. SVP-Jungspund Erich Hess liess sich schon vor zehn Jahren mit ukrainischer Freundin ablichten. Man mag die Liste beliebig erweitern – etwa um jene Redaktoren der SVP-nahen «Weltwoche», die mit Russinnen verheiratet sind. Selbige Zeitschrift lieferte letztes Jahr einen Erklärungsversuch für das Phänomen. Besser durchgestylt seien sie, die Osteuropäerinnen, und den urtümlichen Beschützerinstinkten des Mannes viel eher zupass als die durch Gender-Ideologie denaturalisierten Frauen Westeuropas.

Mehr Schminke, mehr Unterwürfigkeit: Ist es so simpel? Jedenfalls sind die vielen Liebesgrüsse nach Moskau nicht die gute Nachricht, als die sie auf den ersten Blick erscheinen. («Unsere Rechten sind doch gar nicht fremdenfeindlich!») Klar wird dies, wenn man die Abneigung gegen Ausländer historisch spiegelt. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war Fremdenfeindlichkeit verschwistert mit einem kruden Biologismus. Die Pseudo-Wissenschaft der Rassenkundler lieferte ausgiebige «Belege» für die natürliche Minderwertigkeit etwa der Slawinnen und Slawen. Solchen Quatsch glaubt man heute wohl nicht einmal mehr im tiefsten Pegida-Rückzugsraum von Sachsen-Anhalt.

Doch hindert dieses Rationalitätsplus den modernen Rechtsaussen nicht daran, sich anonym im Internet über kenternde Schiffe mit muslimischen Flüchtlingen zu freuen. Oder, wenn er in einem Parlament sitzt, diesem Empfinden durch seine Politik Rechnung zu tragen. Er kann all dies tun – und gleichzeitig eine Russin heiraten. (Eine verschleierte Muslimin, wiewohl vielleicht ebenfalls dem Manne zudienlich, taugte wohl weniger als Statussymbol.)

Wohlgemerkt: Längst nicht jeder Schweizer mit russischer Gefährtin ist ein Rechter. Doch dass sich immer mehr «besorgte Bürger» wie der eingangs zitierte Internettroll für osteuropäische Frauen begeistern, das beweist: Die Fremdenfeindlichkeit hat den Darwin-Test bestanden. Sie braucht keinen Rassismus im ursprünglichen Wortsinn, um überleben zu können.

Der Beitrag Wenn SVP-Wähler Swetlana heiraten erschien zuerst auf Politblog.


Click: ZUM VOLLSTAENDIGEN ORIGINALBERICHT Wenn SVP-Wähler Swetlana heiraten

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/65721/wenn-svp-waehler-swetlana-heiraten/Wenn SVP-Wähler Swetlana heiraten

Hoffentlich kommmt bald wieder ein Bericht zu diesem Thema

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