Aus Zürich – aktuelle News: Die Hausfrauen-Hölle

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Ein Hort der Finsternis: Mamis in Badis

Ein Hort der Finsternis: Mamis in Badis

Eigentlich finden ja die grossen Sexismus-Debatten immer über Männer statt. Aber vielleicht sollte man einfach mal einen Nachmittag in einem beliebigen Zürcher Freibad verbringen, um sich einer anderen, tiefgreifend sexistischen Struktur in unserer Gesellschaft bewusst zu werden. Für mich waren die letzten Tage ein Blick in einen Abgrund.

«Die hat recht zugenommen seit der Schwangerschaft. Früher haben ihr alle hinterhergeguckt», ist einer der Sätze, die vor ein paar Tagen am Nachbartisch zwischen zwei Müttern bei der Begutachtung einer etwas abseits stehenden anderen Mutter fielen. Ein anderer Satz über eine andere Mutter von anderen Müttern: «Die machts sichs leicht. Die gibt ihre Kinder jeden Tag in die Krippe, obwohl sie nur sechzig Prozent arbeitet.»

Dazu kommt natürlich das Augenverdrehen, wenn eine Mutter sich nicht Meute-konform verhält. Bisher bin ich immer mit dem Vorurteil durch die Welt, dass Frauen grundsätzlich sozialer sind. Vielleicht, weil ich mich bisher mehr oder weniger von den Hausfrauen-Höllen in ganz bestimmten Teilen der Freibäder  ferngehalten habe.

Nur, was ich an bitterer Abwertung von Frauen gegenüber anderen Frauen die letzten Tage gesehen und gehört hab, erschreckt mich. Natürlich sind nicht alle so. Es gibt auch verständnisvolles Lächeln, wenn  ein Mami mal mit ihrem laut täubelnden Kind an die nervliche Belastungsgrenze kommt. Aber das sind immer einzelne Mütter, die sich mit anderen einzelnen Müttern solidarisieren.

In Gruppen scheint die Hauptaufgabe von Müttern die Be- und Verurteilung anderer Frauen zu sein. Es scheint einen unausgesprochenen Kodex für ideales Muttersein zu geben. Und natürlich erfüllt ihn keine der Mütter, die gerade nicht zur Gruppe gehören. Und es trifft nicht nur andere Mütter. Es trifft auch Frauen ohne Kinder, Singles und junge Mädchen. «Die kann sich halt nicht festlegen. Wenn die mal Kinder hat, reicht die Zeit auch nicht mehr fürs Fitness.» Oder: «Die geniesst ihr Leben aber in vollen Zügen» – in einem Ton, der bitter andeutet, dass die junge Dame zu viel Spass an Männern hat, sich gefälligst schwängern lassen und ihren Dienst an der Gemeinschaft antreten soll.

Des weiteren wird über die Männer der anderen Frauen gesprochen: «Sie ist wieder alleine. Ihr Typ hat sie verlassen, ohne ein Wort. Aber (in wissendem Ton) wir wissen ja nicht, was sich da abgespielt hat.»

Die Häufung solcher Dialoge in letzter Zeit hat mich unvorbereitet getroffen und wirklich deprimiert. Mein durchaus positives Frauenbild beginnt zu wackeln. Jede andere Frau wird gemustern, taxiert, kommentiert. Und nicht mit liebevollem Spott, sondern oft in unterschwelliger, giftiger Bösartigkeit.

Nun könnte man das unter «Stutenbissigkeit» abhaken, wenn da nicht die andere Seite wäre: Natürlich gibts inzwischen auch jede Menge Männer, die mit Nachwuchs in der Badi rumhängen. Und wenn einer von denen so mit seinem Handy beschäftigt ist, dass er nicht bemerkt, wenn er seinen Zweijährigen  in der Sonne rösten lässt, kommen die Harpyien freundlich und tragen den Kleinen in den Schatten.

Männer, die ohne kleinen oder grossen Anhang in der Badi rumhängen, sind sowieso Hähne in Körben. Selten kriege ich so viele flirtende Blicke wie in der Hausfrauenecke. Natürlich nur, bis ich meinen Ehering  aufblitzen lasse wie der Bösewicht seinen Goldzahn im Hollywoodfilm.

Also, in Gruppen beurteilen Frauen andere Frauen nur unter dem Aspekt ihrer Attraktivität oder ihrer Mutterschaftsskills. Männer hingegen sind grundsätzlich in Ordnung.

Bitte, liebe Frauen und Mütter, bestätigt mir, dass dies nur eine zufällige Häufung solcher Dialoge in meiner Wahrnehmung war. Dass ihr nicht jedesmal zu giftspritzenden Schlangen werdet, wenn ihr in Gruppen unter euch seid.

Ihr seid nicht alle böse, oder?

Der Beitrag Die Hausfrauen-Hölle erschien zuerst auf Stadtblog.


Hier: ZUM LESENSWERTEN BERICHT Die Hausfrauen-Hölle

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/07/18/die-hausfrauen-hoelle/Die Hausfrauen-Hölle

Dem Verfasser des Berichtes ist es gelungen dem Thema Kunst voll und ganz gerecht zu werden.

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