Frisch aus Zürich – topaktuell: Der geknebelte, türkische Freund

Ein aktueller Artikel zu diesem aktuellen Thema Zürichs.

Denunzianten versuchen die Meinungsfreiheit in der Schweiz zu unterdrücken.

Denunzianten versuchen die Meinungsfreiheit in der Schweiz zu unterdrücken.

Kaum einer getraut sich noch, sich öffentlich zu äussern, egal ob in der Schweiz lebender Türke oder türkischstämmiger Schweizer, die Aufrufe zur Denunziation von Erdogan-Kritikern haben die türkische Gemeinschaft getroffen. Persönliche Drohungen und die Möglichkeit, dass der türkische Staat Terrorprozesse gegen Erdogan-Kritiker in der Schweiz führt, hat die türkische Gemeinschaft erschüttert. Ich habe mit einigen Bekannten gesprochen.

Ahmet 1* lebt seit 37 Jahren in der Schweiz, er und seine Kinder sind Schweizer: «Ich hab meinen beiden Söhnen gesagt, dass sie vorsichtig sein sollen, dass sie ihre Facebook-Accounts von kritischen Posts reinigen sollen. Sie sind da lockerer, aber sie kennen die Verhältnisse in der Türkei auch nur aus den Ferien. Wir Älteren sind uns eher bewusst, wie es aussieht, wenn du ins Visier der falschen türkischen Gruppe kommst. Auch wir äussern uns nur noch politisch, wenn wir wirklich unter vertrauenswürdigen Freunden sind. Wir fürchten nicht um uns selbst, wir haben inzwischen hier unsere Heimat. Aber jeder von uns hat Familie in der Türkei.»

Ahmet 2* ist 32, er ist in der Schweiz geboren: «Weisst du, es ist nicht die Politik. Wir Türken hatten schon immer unterschiedliche Auffassungen, was das Beste für die Türkei sein soll. Wir konnten uns beim Kaffee über die politische Zukunft der Türkei anschreien, und gaben uns beim Abschied die Hand. Mit der Möglichkeit, einen unliebsamen Gegner bei der Geheimpolizei anzuschwärzen, haben sich die Machtverhältnisse geändert. Wir misstrauen einander. Alte Rechnungen können plötzlich gefährlich werden. Du musst kein Erdogan-Gegner oder Gülen-Freund sein, wenn jemandem deine Nase nicht gefällt, oder du ihn vor ein paar Jahren beleidigt hast, ist jetzt plötzlich ein Instrument für die Rache da. Es ist, als ob man jedem Türken eine geladene Waffe in die Hand gedrückt hätte.»

Ahmet 3* ist seit 42 Jahren in der Schweiz, er ist Türke: «Viele junge Männer beginnen sich aufzuspielen. Erdogan gibt ihnen die Illusion von Grösse, sie wittern Macht. Mit ihren Freunden aus Deutschland bilden sie eine Gruppe, bekommen Identität. Aber es sind nicht nur sie. Viele Türken in meinem Freundeskreis waren eher skeptisch gegenüber Erdogans Politik. Jetzt kann man mit einer einzigen Email andere Türken anschwärzen, jetzt fühlen sich plötzlich die Türken stark, die vorher eher eine Minderheit waren. Ihnen ist nicht bewusst, dass man auch sie denunzieren kann, egal, welche politische Überzeugung sie haben. Wir wissen nicht, ob die Institutionen solche Vorwürfe überhaupt prüfen, bevor du auf eine Liste kommst. Der Zusammenhalt und das Vertauen in der türkischen Gemeinde ist zerstört.»

Die türkische Gemeinschaft in der Schweiz hat sich verändert, und damit hat sich auch meine Stadt verändert. Die Türkei ist nicht nur eine Feriendestination, die Türkei reicht mit den hier lebenden Menschen bis tief in unsere Gesellschaft. Und jetzt versucht jemand, diese Gesellschaft zu verängstigen.

*Es wurden Statements von mehr als drei Personen zu drei Aussagen zusammengefasst. Name und Geschlecht der jeweiligen Personen sind dem Autor bekannt und wurden zum Teil geändert.

Der Beitrag Der geknebelte, türkische Freund erschien zuerst auf Stadtblog.


Klick HIER: TIPP Der geknebelte, türkische Freund

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/07/26/der-geknebelte-freund/Der geknebelte, türkische Freund

Hoffentlich gibt es bald wieder einen Artikel zu diesem Topic.

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