Frisch aus Zürich – Topnews: Unter Gümmelern

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gimes

Ich kenne einen Amerikaner, einen 54-jährigen Musiker, der den Sommer in Zürich verbracht hat, aus familiären Gründen. Ehrlich gesagt sass er die meiste Zeit auf dem Velo. Ein vergifteter Gümmeler. Kam in Kloten an mit seinem ultraleichten BMC-Rennrad, das zusammengefaltet wie ein teurer Anzug in einer Reise­tasche von New York mitgeflogen war. Wenn die Amerikaner etwas machen, dann machen sie es richtig.

Mein Freund hatte alle möglichen Apps mit den besten Velostrecken rund um Zürich studiert, er nahm zum Beispiel am Morgen früh den Zug nach Altdorf und pedalte über den Klausen, dann nach Glarus und über den Pragelpass ins Muotatal. «Wie der russische General Suworow», erzählte ich ihm. «Ach ja?», antwortete er höflich.

Er fuhr alles ab, den Pfannenstil, den Albis, die Buchenegg, durchs Wägital, über den Zimmerberg und die Sattelegg. «Die Strasse auf die Sattelegg wurde im Zweiten Weltkrieg von polnischen Internierten gebaut», sagte ich.

Ein Programm, die Strava-App, zeigte ihm an, wie schnell er war, im Vergleich zu den anderen Gümmelern auf derselben Strecke. An guten Tagen fuhr er unter die besten hundert, «nicht schlecht für mein Alter», sagte er. Ein paar Tausend Velofahrer aus unserer Region haben Strava heruntergeladen, «sie werden meine Kollegen sein», dachte er in New York. Sah er einen einsamen Radfahrer, der sein Tempo fuhr, schloss er auf, und sie teilten sich die Führungsarbeit. Er verständigte sich mit Handzeichen, manchmal versuchte er eine aufmunternde Geste, doch die Einheimischen hätten meist wortlos auf die Strasse gestiert, erzählte er.

In Italien, wo er mal in den Ferien gewesen war, habe er mit den dortigen Gümmelern immer ein paar Worte gewechselt, so habe man sich gegen­seitig Mut gemacht. «Die Schweizer heben nicht mal den Daumen

Manchmal berichtete er von seinen Ausflügen, vom Pfannenstiel, vom Islisberg, von der Sattelegg, Orte, die mich an romantische Spaziergänge erinnern, an Sonnenuntergänge, an Frauen, die ich geküsst habe – für ihn waren diese Landschaften um Zürich ein Netz von Strassen, mit Steigungsprozenten und Abfahrten. «Grossartig», sagte er, «das gibt es nicht bei uns, die Berge, die Strassen.»

«Aber dafür habt ihr grosses Kino», sagte ich und dachte an meine Reisen in den USA, an das Gefühl im Miet­wagen, endlose Autobahnen, Diners, Motels, Tankstellen.

Mein Freund hat erst vor ein paar Jahren mit Rennvelofahren begonnen. Jetzt verbringt er fast jeden Tag Stunden im Sattel. Vielleicht braucht man das Gefühl, in Bewegung zu sein, dachte ich, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Vielleicht ist es das Nomadische in uns, oder vielleicht sind wir Menschen tatsächlich näher bei den Maschinen, als wir wahrhaben wollen.

Was weiss ich schon? Vor ein paar Tagen ist der Amerikaner wieder nach Hause geflogen, das Rad zusammengelegt in der Reisetasche. Ich bin in den Keller gestiegen und habe mein Rennvelo aus dem Staub geholt, Caminada, hellblau, Aufziehreifen. Wenn ich oben auf dem Albis bin, schreibe ich euch eine Postkarte.

Der Beitrag Unter Gümmelern erschien zuerst auf Stadtblog.


Klick HIER: zum gut gelungenen Eheringe Report Unter Gümmelern

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/08/24/unter-guemmelern/Unter Gümmelern

Hoffentlich kommmt bald wieder ein Bericht zu diesem Thema

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