Aus Zürich – aktuelle News: Probleme mit der Midlife Crisis

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In der Selbstwahrnehmung jugendlich, in der des Umfelds kindisch.

In der Selbstwahrnehmung jugendlich, in der des Umfelds kindisch.

Ich bin diese Woche Siebenundvierzig (in Zahlen: 4 und 7!) geworden und war etwas deprimiert. Freunde, die mich aufheitern wollten, sagten Sachen wie: “Aber du hast dich doch ganz gut gehalten. Für dein Alter.” Nicht hilfreich, ehrlich.

Ich hab also in einem Tag den Sprung vom Mittvierziger zum Endvierziger gemacht und dachte mir, dafür hätte ich einen Trost verdient. Ich wollte mir eine kleine Midlife Crisis leisten. Ihr wisst schon: Dinge tun, die das eigene Alter in der eigenen Wahrnehmung negieren und dich in den Augen des Umfelds völlig lächerlich erscheinen lassen. Dinge, von denen du denkst, sie seien “jugendlich”, während sie eigentlich nur “kindisch” sind. Einen Irokesen schneiden und ihn bunt färben zum Beispiel.

Aber eine Midlife Crisis ist gar nicht so einfach in meiner Generation. Die meisten Zürcher in meinem Alter sind sowieso schon Berufsjugendliche (ich, Bloggerkollege Alex Flach und Rainer Kuhn, um nur einige aufzuzählen). Wir konnten bis 35 ohne Probleme so tun, als wären wir in der Pubertät und haben danach eine verzögerte Entwicklung durchgemacht. So würden wir uns mit den klassischen Midlife Crisis-Sachen nur vier, fünf Jahre jünger fühlen. Das funzt irgendwie nicht. Nächte auf Koks in Clubs für Junge durchzufeiern, wirkt mit Ü40 eher peinlich als jugendlich. Und da ich drogenfrei lebe, müsste ich nüchtern zwischen den Kids rumhängen und könnte mir nicht mal vorlügen, es sei cool.

Bei einer Umfrage nach Ideen für eine kurze MLC hat sich herausgestellt, dass man als linksgrüner, abstinenter, verheirateter Gutmensch voll die Arschkarte gezogen hat. Die meisten Vorschläge drehten sich um Harleys, Sportwagen oder sonstige Verbrennungsmotoren. Was mir, ohne Führerschein, nicht besonders  viel bringt. Ausserdem könnte ich diese Autos nicht vor meinem grünen Gewissen verantworten. Und eine Harley? Eine Juristenschleuder? Ich hab auch noch Selbstachtung. Der einzig brauchbare Vorschlag aus dieser Ecke war der Tesla. Leider kann ich bei den Lieferzeiten erst meine Pension im Elektro-Sportler geniessen.

Die zweite Kategorie Vorschläge hatte mit jungen Frauen zu tun. Aber ich hab so meine Zweifel, ob das wirklich funktioniert. Neben einer 20-Jährigen fühl ich mich durch den Kontrast eher älter als jünger. Und ich will ja den jungen Menschen nicht zu nahe treten, aber die meisten hätten ihre Lebensgeschichte bei einem Espresso im Stehen erzählt. Ausserdem hasse ich es, wenn ich bei jedem wundervollen Erlebnis nur mit “been there, done that” antworten kann. Da fühl ich mich alt.

“Mach doch auf Darbellay!”, empfahl mir eine Bekannte. Aber ehrlich, ein Seitensprung mit Folgen ist nicht jugendlich. Das gehört zum Stammrepertoire meiner gleichaltrigen Bekannten. Ich kenn Männer, die haben mit 50 drei Kinder von vier Frauen. Und ausserhalb der CVP gilt das auch nicht als “Wild at Heart”, sondern heisst “Patchwork-Family”.

Einige kamen dann mit Extremsportarten: Marathon, Fallschirmspringen und Golf. Golf spiele ich dann mit 70, um mich wie 50 zu fühlen. Und bei den adrenalinintensiven Aktivitäten ist in meinem Alter das Risiko für einen Herzinfarkt einfach zu hoch. Was diese ganzen Ausdauersportarten wie Marathon und Triathlon und so angeht: habt ihr mal so einem Ü45 beim Training ins Gesicht geschaut? Da steckt so viel jugendlicher Spass drin, dass man vermutet,  man sollte sich lieber waterboarden oder mit einer Bleistange verprügeln lassen. Das wär vergnüglicher.

Natürlich kamen auch noch Kleidungs- und Frisurenvorschläge. Aber da ich meinen Stil seit den 90ern nur rudimentär geändert habe, gelte ich bereits als “retro”. Und ich lass mir weder einen Rossschwanz wachsen noch schneide ich mir einen Iro. Echt nicht.

Also, Ihr seht: Keine leichte Aufgabe.

Ich hab dann auf dem Weg zum Bahnhof Songs aus meiner Kindheit auf die Kopfhörer geblasen und dazu getanzt und Luftgitarre gespielt. Ganze vier Minuten lang. Das muss genügen.

Der Beitrag Probleme mit der Midlife Crisis erschien zuerst auf Stadtblog.


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http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/09/12/probleme-mit-der-midlife-crisis/Probleme mit der Midlife Crisis

Klar und deutlich. Guter Artikel welcher der anspruchsvollen Thematik absolut gerecht wird.

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