Aus Zürich – aktuelle Neuigkeit: Appezöller und Tüüfeli

Dieser Bericht bringt es präzis auf den Punkt!

Der Wirt, ein Thailänder, wusste immer instinktiv, wann die Biere fertig getrunken waren und brachte uns Nachschub. (Foto: Thomas Egli)

 

Am Montagabend habe ich mit einem Freund Bier getrunken. Und zwar bei der «Utoburg» an der Üetlibergstrasse. Wir sassen draussen und quatschten über Gott und Eheprobleme. Der Wirt, ein Thailänder, wusste immer instinktiv, wann wir unsere Biere leerten und brachte uns Nachschub. Mit jeder Stange Bier wurden unsere Gespräche intelligenter. Bei der siebten Stange habe ich aber Stopp! gesagt und einen Michkaffee bestellt. Denn ich weiss: Ab acht Stangen Bier werde ich weinselig. Dann plärre ich aus nichtigem Anlass.

Ich schloss die Augen und genoss das Schädelbrummen. Alles drehte sich um mich, aber so, dass es noch angenehm war. Aus dem Off hörte ich. «Ist da noch frei?» Vor mir standen zwei Männer. Einer sah aus wie der «Zwicky» von Jaermann/Schaad. Der andere war hager. Zwicky wollte wissen, wer wir denn sind. Ich erklärte ihm, dass mein Freund und ich eingetragene Partner seien und die schwüle Abendluft geniessen.

Das gefiel dem Zwicky so sehr, dass er uns gleich noch eine Runde Bier spendierte. Und dann noch eine. Beim Absetzen des neunten Bierglases begann ich zu weinen. Was denn sei, wollte Zwicky wissen. Ach, sagte ich, es ist so schön hier mit echten Schweizern eine Runde Bier zu trinken. Dann musste ich auf die Toilette gehen.

Dort sass am Boden der Tamile und putzte die Pissoirs. Ich blickte auf ihn hinunter und begann wieder zu weinen: «Du putzen gut!»

Meine neuen Freunde freuten sich riesig, als ich wieder zurückkam. Wir stellten fest: Unser Quartett bestand aus Berner, Aargauer, Bündner und Schaffhauser. Lange diskutierten wir über die Fragen: Setzen sich wildfremde Zürcher an einen Tisch? Würde ein cooler Zürcher dem anderen ein Bier spendieren?

Dann guckten wir den Frauen zu, die vom Knabenschiessen kamen. Zwicky sagte: «Ohne Ausländerinnen hätten die Aussteller nicht so einen grossen Umsatz.» Das stimmt wohl. Viele hielten Riesenplüschtiere in ihren Armen. Die hatten ihre grimmig dreinblickenden Männer vorhin mit dem Luftschutzgewehr abgeschossen.

Wie heisst eigentlich der neue Schützenkönig, wollte der Schaffhauser wissen. Und ist das ein Schweizer? Zwicky zückte sein Handy heraus und erklärte: «Ja, aber mit dunklem Teint.»

Dann kam der Wirt heraus. Von wo kommst du eigentlich, fragte ich ihn. Aus Thailand. «Ah, Thailand», schnalzte Zwicky geniesserisch mit der Zunge, «schöne Land! Du schon gewesen in Koh Samui?»

Nein. «Aber wo du wohnen?» In Schlieren. Er sei schon seit sechs Uhr auf den Beinen, arbeite von Montag bis Freitag. «Was du kochen gut?» Appezöller und Tüüfeli! Aber wir müssten reservieren, wenn wir über Mittag essen wollen.

Ja, das mache ich, sobald ich wieder nüchtern bin.

Der Beitrag Appezöller und Tüüfeli erschien zuerst auf Stadtblog.


Hier: zur umfassenden Quelle des Textes Appezöller und Tüüfeli

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/09/15/appezoeller-und-tueuefeli/Appezöller und Tüüfeli

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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