Aus Zürich – aktuelle News: Das Nachtleben ist schwul

Ein topaktuller Bericht zu diesem spannenden Topic!

Hetero-Erotik ist im Nachleben kein Problem.

Hetero-Erotik ist im Nachleben kein Problem.

Der Security eines Pubs spediert ein schwules Pärchen wegen eines Kusses an die frische Luft und schon tobt der Orkan im Blätterwald. In der Rolle des Leitmediums: Der Blick als hehrer Verteidiger der Regenbogenflagge und als Winkelried für die wackeren Reihen der schwulen Genossen. Wahren Heldenmut wie dieser mussten die Redaktoren des Blicks nicht beweisen, war doch der Lohn für die Tat kein Bündel Habsburger-Speerspitzen sondern eine gute Geschichte. Und in einer solchen hat die lästige Tatsache, dass der Security verlautbaren liess, das was das Pärchen da getan habe sei mehr «Kopulation» als «Kuss» gewesen und es damit und in Ermangelung an Zeugen Aussage gegen Aussage steht, nichts zu suchen.

Trauriger Fakt ist aber auch, dass Homophobie nicht nur im Tag- sondern auch im Nachtleben weit verbreitet ist. Die dummen Bemerkungen und versteckten Nicklichkeiten haben Schwule auch hier zu erdulden und bisweilen outet sich gar ein international angesehener Nightlife-Exponent wie der litauische DJ und Produzent Marijus Adomaitis alias Ten Walls als Schwulenhasser, der vergangenes Jahr in einem Facebook-Post Schwule als «Brut» verunglimpfte und sie mit Pädophilen gleichsetzte.

Die Reaktion aus dem Nachtleben folgte auf dem Fuss: Festival-Veranstalter strichen Ten Walls aus dem Line Up, DJ-Kollegen verkündeten, dass sie sich künftig weigern werden an denselben Partys wie der Litauer zu spielen und Geschäftspartner liessen ihn fallen wie eine heisse Kartoffel.

Es ist das Jahr 2016 und wir leben in einer Bildungsgesellschaft: Homophobie ist für jeden mit einem Intelligenzquotienten über dem einer durchschnittlich talentierten Tomate inakzeptabel. Im Falle des House-DJs Ten Walls zeugt sie zudem von Geschichtsblindheit: Neben dem Warehouse-Club in Chicago um dessen Resident-DJ Frankie Knuckles gilt die New Yorker Paradise Garage als eine der Wiegen der Housemusik und die Paradise Garage war ein Treffpunkt für schwule Afroamerikaner.

Hier begann der 1992 an den Folgen einer Endokarditis verstorbene DJ Larry Levan zeitgleich mit dem mit ihm befreundeten Knuckles mit neuen Beats zu experimentieren. Am Ende dieser Experimente stand ein neues Genre, das dereinst die Welt der Clubs revolutionieren sollte. Zudem gilt die Paradise Garage als Blaupause der zeitgenössischen Clubs, weil hier erstmals der DJ vom Hintergrund in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wurde: Ab sofort waren DJs nicht mehr unsichtbare Jukeboxen, sondern Mixkünstler die im Rampenlicht stehen.

Auch für das Schweizer Nachtleben ist die Gay Community seit jeher von zentraler Bedeutung. So waren die Betreiber des ehemaligen Labyrinth-Clubs ein wichtiger Teil jener Gruppe, die in den 90er Jahren den korrupten Beamten Raphael «Don Raffi» Huber auffliegen liess und damit der Liberalisierung des Zürcher Nachtlebens den Weg ebnete. Zudem waren schwule Partylabels damals stilbildend. Kurzum: Homophobe Nachtlebenschaffende haben schlicht nicht verstanden woher die Kultur stammt mit der sie arbeiten.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Der Beitrag Das Nachtleben ist schwul erschien zuerst auf Stadtblog.


Hier: zum interessanten Originalartikel Das Nachtleben ist schwul

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/09/19/das-nachtleben-ist-schwul/Das Nachtleben ist schwul

Der Verfasser des Artikels hat geschafft uns zum nachdenken anzuregen. Danke!

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