Aus Zürich – aktuelle Neuigkeit: Die unerträgliche Leichtigkeit des Bauernseins

Ein topaktuller Bericht zu diesem spannenden Topic!

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Sanfte Hügel, saftige Wiesen: Bauernhäuser im Entlebuch. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Jeder braucht hin und wieder einen Rückzugsort, damit er nicht im täglichen Wahnsinn des Berufs- und Privatlebens zusammenklappt. Meiner ist das Entlebuch. Das Entlebuch: sanfte Hügel, schroffe Eggen, wilde Gräben und Krächen, saftige Wiesen, entspannte Menschen, Kühe und Hofhunde. Oder in den Worten des Tourismusvereins: «Zwischen Luzernerland und Alpenrand leben die Menschen in Harmonie mit der Natur.» Hier geht man also hin, um wirklich abzuschalten. Und nicht auf den Pilatus und die Rigi, die von Touristen aus Asien wie von Hornissen heimgesucht werden, wie es «Hopp de Bäse»-Moderator Kurt Zurfluh einmal ausdrückte.

Dankbar ist man auch den Bauern. Ohne ihre beharrliche Pflege der Landschaft, ja ohne ihre blosse Anwesenheit wäre das Entlebuch nicht so lieblich. Wer wie ich an jeder engen Wegstelle beim Herannahen eines Traktors vom Velo absteigt, darf sich eines freundlichen Winks gewiss sein. Aber irgendwie ist in letzter Zeit der Wurm drin. Als Stadtluzerner ist man des Dauersparens und der ewigen Debatten über die kantonale Tiefststeuerpolitik müde geworden. Kein Wunder, kreisen auf der Velofahrt durchs Alpgebiet Finishütten unterhalb der Pilatus-Bergkette die Gedanken immer mehr um das Sparen.

Diesen Monat werden die Kanti-, Fachmittelschüler und Lehrlinge für drei statt zwei Wochen in die Schulferien geschickt, damit der Kanton 4 Millionen Franken sparen kann. Oder Eltern von behinderten Kindern müssen wohl bald für die Sonderschulen eine Gebührenerhöhung von 1440 auf 3600 Franken hinnehmen. Zudem steigen die Studiengebühren, sinken die Stipendien und die kantonalen Hochschulbeiträge. Gerade eben titelte die «Luzerner Zeitung» auf der Front: «Weniger Geld für Familien». Obwohl die Krankenkassenprämien Jahr für Jahr steigen, reduziert der Kanton Luzern parallel dazu seine Prämienverbilligungsbeiträge. 2008 erhielten 37 Prozent der Luzerner Bevölkerung einen Zustupf, letztes Jahr waren es noch 27 Prozent.

Bloss nicht die Steuern erhöhen

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Die Bauern haben gut lachen: Festumzug am Jodlerfest in Schüpfheim im Juni 2016. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Was mich auf der Velofahrt durchs Entlebuch manchmal irritiert: Fast alle Landwirte und Bäuerinnen im Kantonsrat sind selbst gegen eine moderate Steuererhöhung. So auch die Bäuerin und Sozialvorsteherin aus Flühli, der Bauer und Gemeindeammann aus Wiggen oder der Landwirt aus Wolhusen. Ich hatte zwar bisher keine Gelegenheit auf meinen Ausflügen, sie über ihre Beweggründe zu befragen. Aber natürlich entwickelt man beim schweisstreibenden Erklimmen der Nagelfluhhänge in der Grossen Fontanne Thesen.

Eine davon lautet: 2015 bekamen die rund 4400 Landwirtschaftsbetriebe und 245 Alpen im Kanton Luzern etwa 215 Millionen Franken an staatlichen Transferzahlungen – 213,5 Millionen Franken davon waren Direktzahlungen vom Bund. Wie in allen Kantonen kommt auch in Luzern die Eidgenossenschaft für fast 100 Prozent der landwirtschaftlichen Subventionen auf.

Ich bin überzeugt, wären die Direktzahlungen Teil des Kantonshaushalts und damit Spielball der kantonalen Finanzpolitik, die Bauern würden längst zusammen mit den Lehrern, Schülern und Gewerkschaftern auf der Barrikade stehen.

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Click: ZUR GUT GELUNGENEN QUELLE Die unerträgliche Leichtigkeit des Bauernseins

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/66227/die-unertraegliche-leichtigkeit-des-bauernseins/Die unerträgliche Leichtigkeit des Bauernseins

Sehr gut und kompakt geschriebener Text. Ein spannendes Thema gebührend beschrieben.

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