Aus Zürich – aktuelle Neuigkeit: Polizeistadt

Ein lesenswerter Bericht für alle Zürich-Interessierten.

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Kürzlich fuhr ich mit dem Achter vom Hardplatz durch das Niemandsland, wo die neue Polizeizentrale hinkommen soll – ein Protzbau, den das Volk leider abgesegnet hat. Auf der Höhe Erismannhof stand das Tram plötzlich still. Zwei havarierte Autos blockierten die Geleise, auf dem Trottoir war ein Polizeitransporter parkiert, ein Polizist regelte den Feierabendverkehr, eine Polizistin nahm Personalien auf, die Kamera wurde in Stellung gebracht. «Wir bitten Sie um Geduld», sagte der Tramchauffeur.

Die Autos waren seitwärts zusammengestossen. Niemand war verletzt worden, eine Wagentür leicht eingedrückt, eine Motorhaube etwas zerbeult. Blechschaden. Hat die Polizei nichts anderes zu tun?, fragte ich mich, als die beiden Autos mühelos wegfuhren. Eine Stunde Arbeit für drei Uniformierte – wer zahlt das überhaupt?

Wir sitzen in den Herbstferien beim Frühstück, als ich die Geschichte erzähle. Draussen weitet sich der Himmel wie auf einem holländischen Landschaftsbild, ein Kanal fliesst vorbei, sonst gibts nur grosse Stille. «Ich habe ein einziges Mal die Polizei gerufen», berichtet eine Frau in der Runde. Sie habe beobachtet, wie ein Mann mit einem dicken Wagen wie ein Irrer durch Oberstrass gefahren sei, Dreissigerzone. «Sie müssen auf den Posten kommen», habe man ihr am Telefon gesagt, «wenn sie eine Anzeige machen wollen.»

«Ich habe drei kleine Kinder hier», habe sie geantwortet. «Ich möchte niemanden anzeigen. Ich wollte sie nur auf eine Gefahr aufmerksam machen.»

«Wenn es sie wirklich interessiert, machen sie dafür alles», sagt jemand am Tisch. Er habe mal in der Nacht die Polizei gerufen, als ein paar Typen beim eingerüsteten Haus vis-à-vis die Fassade hochgeklettert seien. «Sie trugen schweres Gerät, sah nach Bohrmaschinen aus, hätten aber auch Waffen sein können.» Drei Minuten später seien sieben Streifenwagen vorgefahren, mit Hunden und allem. «Ich habe gezittert», erzählt er. Er habe seine Frau geweckt. «Ich weiss», habe sie im Halbschlaf gesagt, «sie reissen drüben die Gerüste ab. Die Verwaltung hat geschrieben.»

«Einmal», erzählt eine Frau, «war ich an der Langstrasse, in einer Fussballbar. Ich bin früher nach Hause: Ich habs nicht ausgehalten, wie Brasilien von Deutschland verhauen wurde.» Vor der Unterführung Ecke Lagerstrasse stand ein Polizeiwagen, und jetzt erklärt sie uns genau, wie sie beim Rotlicht mit dem Velo bis zum Fussgängerstreifen gerollt sei, ein Bein am Boden, was man dürfe, sie ist eine anständige Fahrerin. «Am anderen Ende der Unterführung haben sie schon gewartet.» Unfreundlich und aggressiv seien sie gewesen. «Ich habe sie gefragt, ob sie nichts anderes zu tun hätten, als Velofahrern Bussen zu verteilen. Sie drohten mit einem Verfahren wegen Beamtenbeleidigung.»

«Sie haben zu viele Leute», sage ich. «Ich kenne keine Stadt mit einer solchen Polizeipräsenz. Zählt einmal die Polizeiwagen in den Strassen. Sie haben nichts zu tun. Velofahrer, Blechschaden, dafür würde der gesunde Menschenverstand reichen, da braucht es eigentlich keine Polizei. Und für die wirklichen Probleme sind sie nicht vorbereitet.» So reden wir in den Ferien. Die schweigende Mehrheit. Man müsste mehr auf uns hören.

Der Beitrag Polizeistadt erschien zuerst auf Stadtblog.


Click: ZUR AUSSERORDENTLICH TOLLEN TEXTQUELLE Polizeistadt

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/10/12/polizeistadt/Polizeistadt

Der Verfasser des Artikels hat geschafft uns zum nachdenken anzuregen. Danke!

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