Nachricht aus Zürich: Chaos im Morgental

Ein aktueller Artikel zu diesem aktuellen Thema Zürichs.

Sorgt sich um seinen Umatz: Café Moana-Geschäftsführer Christian Weilandt. (Foto: Beni Frenkel)

Das Morgental ist sozusagen das Herz von Wollishofen. Hier kreuzt sich die Strasse der reichen Wollishofener (Morgentalstrasse) mit der Strasse der ärmeren Wollishofener (Albisstrasse). Früher gab es hier ein Kino, jetzt steht dort eine grosse Apotheke. Im Morgental gibt es einen Feinkostladen, eine Beiz, einen Coiffeur und – warum auch immer – einen Bonsai-Laden.

Momentan sieht es gar nicht gut aus um das Herz von Wollishofen. Das Tiefbaudepartement wütet hier bereits seit vier Monaten. Die Strassen werden aufgerissen und die Quartierbewohner durch zum Teil abenteuerliche Irrwege über die Strassen gelotst.

Bis Ende 2017 sollen die vier Bauphasen beendet sein. Dann herrscht ein halbes Jahr Ruhe. Ab Juni 2018 werden dann wieder die Strassen aufgerissen. Diesmal geht es dann aber nicht um Abwasserkanäle, sondern um behindertengerechte Haltestelle.

Das Morgental war noch nie eine Flaniermeile. Die Aussicht auf zwei Jahre Baustelle drückt den Ladenbesitzer aber langsam aufs Gemüt. Roland Widmer von «Fundsachenverkauf.ch» beklagt Umsatzeinbussen von über 20 Prozent, das Café/Milchbar gemäss Gratiszeitung Zürich 2 sogar 40 Prozent.

Ich sitze am Samstagabend im Café Moana. Im Café sitzen ein paar ältere Stammkunden über ihr Feierabendbier. Das Bier ist wegen der Baustellen 50 Rappen günstiger. Christian Weilandt, der Geschäftsführer, beziffert seinen Rückgang auf 30 Prozent. Die Fassade draussen ist schmutzig- wegen den Bauarbeiten.

Eine blaue Linie auf dem Trottoir zeigt an: Bald reisst das EWZ ein Meter vor dem Lokal den Gehsteig auf. Dann wird es erst recht richtig laut und unangenehm für Weilandt. Eigentlich will er dann Betriebsferien einschalten, von Seiten Tiefbaudepartement hat er aber keine Antwort erhalten, wann genau aufgerissen wird.

Die Kunden im Lokal mischen sich ein. Manche sind schon etwas angeheitert vom Alkohol, andere nicht. Sie fluchen alle über das Tiefbaudepartement und berichten davon, dass sich ältere Leute gar nicht mehr wagen, die Strasse beim Morgental zu überqueren. Tatsächlich ist hier die Lage brandgefährlich am Morgen.

Der Stau zieht sich fast bis zur Autobahn zurück. Auch für erfahrene Pendler ist die Lage unübersichtlich. Der 66er-  und der 72er-Bus halten manchmal hier, manchmal dort. Und für die Velofahrer wird die Fahrt zusätzlich erschwert, da sie bedrohlich nahe der Tramgeleise fahren müssen. Ich selber bin schon zweimal in diese Rille geraten und wäre fast gestürzt.

Ich stürze das Bier herunter. Als ich Lehrer war, habe ich in der 5. Klasse stets die Geschichte der Zürcher Eingemeindung behandelt. Die armen, aber damals selbstständigen Gemeinden haben sich Ende 19. Jahrhunderts in die Stadt Zürich eingemeinden lassen. Der Kreis 2 (Wollishofen, Enge, Leimbach) tat dies 1893. Manchmal denke ich mir, dass man diese Eingemeindung rückgängig machen soll.

Eine selbstständige Gemeinde würde doch niemals diese planlose Baustellen-Orgie über sich ergehen lassen.

Der Beitrag Chaos im Morgental erschien zuerst auf Stadtblog.


Klick HIER: ZUR SPANNENDEN QUELLE DES ARTIKELS Chaos im Morgental

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/10/20/chaos-im-morgental/Chaos im Morgental

Dem Autor ist die Kunst gelungen ein komplexes Thema interessant und lehrreich nahe zu bringen.

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