Topaktuelle Zürich – Nachricht: Zürich ohne Nazis

Fundierter Bericht, das Lesen lohnt sich.

Neonazis findet man da, wo sie geduldet werden.

Neonazis findet man da, wo sie geduldet werden.

Es gibt in Zürich kaum noch Neonazis. Und die paar, die’s noch gibt, schleichen sich verkleidet und versteckt durch die Strassen. Alles andere wäre ungesund. Dass dies so ist, hat mit der Geschichte der Stadt zu tun. Während der 80er-Bewegung war Zürich weitherum das Zentrum für die linke Jugendbewegung, was es schwierig machte für die Glatzen. Der Typus, der sich einer Neonazi-Ideologie anschliesst, will sich in der Gruppe stark fühlen. Das geht irgendwie nicht, wenn man dauernd von anderen Gruppen die Fresse poliert kriegt. Die Anziehungskraft der Neonazis verlor an Wirkung.

Während der Bewegung gab es zwar noch Leute mit faschistischen und nationalsozialistischen Überzeugungen, sogar in der Belegschaft der Stadtpolizei, aber auch da wurde intern aufgeräumt. Den Rest erledigte die Stadt selbst. Bis in die Neunziger hielt sich noch ein kleines Grüppchen Neonazis im Niederdorf in und vor der Gräbli- und der Pumpibar, harmlose Leute im Ausgang terrorisierend.

Aber mit der Hausbesetzerbewegung, den Donnerstagsdemos im Dörfli, wurde das Leben als Nazi auch dort eher ungemütlich. Eine der Freizeitbeschäftigungen der Besetzer war es, die Typen um den Block zu jagen, gefolgt vom Bomberjackenverbrennen. Da überlegt man sich, ob man die gängige Mode der Nazis auf die Strasse trägt und man sagt seinem Coiffeur «Rundum etwas länger, bitte».

Und irgendwann um die Jahrtausendwende waren dann plötzlich ehemalige Linksaktivisten, geläutert und demokratisch, Teil der Stadtregierung. Da gibts nicht viel Platz für Nazis. Heute wird unsere Polizei von einem Linksalternativen geführt …

Natürlich haben wir noch Fremdenfeinde und Leute mit rassistischem Gedankengut in der Stadt. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Nazis und normalen Fremdenfeinden oder Rassisten. Während die letzteren meistens nur dumm und verängstigt sind, zeichnen sich die ersteren durch tiefe, menschenverachtende Bösartigkeit aus. Die einen meinen «Ich bin ja kein Nazi, aber …», während die anderen «Sieg Heil!» brüllen.

Aber schon zu Kriegszeiten war Zürich keine Hochburg der Schweizer Nationalsozialisten. In Zürich erreichten die Fröntler damals unter 10 Prozent im Gemeinderat, während sie in der Ost- und Nordschweiz sehr grossen Zulauf hatten. In Schaffhausen erreichten sie einen Anteil von 30 Prozent bei den Ständeratswahlen. Und es gab nie eine wirklich starke, linke Gegenbewegung, die das korrigierte, während in Zürich die Gewerkschaften und die Sozialdemokraten immer schon stark waren, gefolgt von der Jugendbewegung.

Vielleicht liegt es daran, dass Oskar Freysinger eine Kriegsflagge des Deutschen Reiches in seinem Keller hängen haben kann, ohne dass dies politische Folgen für ihn hat. Das hat doch Signalwirkung bis nach Thüringen und Baden-Baden.  Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Nazi-Aufmärsche und Konzerte in der Nordost- und Ostschweiz stattfinden, unbehelligt von Polizei und Linken. Sogar die paar letzten Neonazis in Hombrechtikon nahmen in den letzten 15 Jahren nie mehr den Zug in Richtung Stadt, sondern fuhren Richtung Rapperswil und weiter. Und noch heute trifft man an den Bahnhöfen in Frauenfeld und St Gallen gerne mal eine Glatze in Bomberjacke und mit «Amok»-Tshirt an. Unbehelligt.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Anständigen im Osten mal den Mund aufmachen. Dass sie diese Idioten nicht mehr in ihren Kneipen, an ihren Arbeitsplätzen und ihrem Umfeld dulden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Alter nochmals «Kein Fussbreit den Faschisten» proklamieren muss. Aber, liebe Freunde im Osten, es ist Zeit für euch, mal gegen das Nazipack aufzustehen, dann habt ihr dieses Problem in ein paar Jahren vielleicht auch nicht mehr.

Ach ja, alle Kommentatoren, die mir jetzt mit «linksextremer Gewalt» kommen: Haltet einfach mal den Latz. Es gibt einen Unterschied, ob ein paar wohlstandsverwahrloste Kids ein bisschen Randale machen, oder ob eine verbotenes, deutsches Terrornetzwerk in der Schweiz bei einem Konzert 150 000 Euro sammelt, um den Mördern der NSU die Anwälte zu zahlen. Es ist ein Unterschied, ob naive Kids mit dem Anzünden von Containern eine bessere Welt erreichen wollen, oder ob 5000 Nazis, die den Holocaust feiern, von «Blut auf den Strassen» und «Messer flutscht in den Juden» singen, während sie stolz die Hand zum Hitlergruss heben. Das eine ist vielleicht unangenehm, das andere ist krank.

Und weils so schön ist, hier wieder mal …

Der Beitrag Zürich ohne Nazis erschien zuerst auf Stadtblog.


Klick HIER: zum spannenden Originaltext Zürich ohne Nazis

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/10/25/zuerich-ohne-nazis/Zürich ohne Nazis

Dem Autor ist es gelungen den Text kurz und doch umfassend zu verfassen.

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