Zürich-News: Unsere Englandversteher

Kompetenter Text, auf den Punkt gebracht.

(Keystone) Wenn der wirtschaftliche Post-Brexit-Triumph ausbleibt, fehlt der bisherige Sündenbock - die EU. (Keystone)

Wenn der wirtschaftliche Post-Brexit-Triumph ausbleibt, fehlt der bisherige Sündenbock – die EU. (Keystone)

Eines vorweg: Ich liebe Grossbritannien, das Land meines Vaters, das der Welt eine politische Kultur geschenkt hat, die unübertroffen ist. Nirgends sind die Debatten brillanter, nirgends streiten Politiker geistreicher. Umso schmerzlicher ist es, zu sehen, wofür das Land seit dem Brexit-Entscheid herhalten muss. Als Projektionsfläche für all jene, die sich den Untergang der EU herbeisehnen. Als Chiffre für politischen Krawall und Niederlage der verhassten Eliten (auf diese hofft auch Donald Trump: «They will soon be calling me MR BREXIT!», twitterte er).

In der Schweiz ist das nicht anders. Grossbritannien nach dem Brexit: Das ist in den Augen rechter Politiker und Publizisten der Beweis, dass sich der nationale Alleingang eben doch auszahlt, dass man sich «befreien» könne von der angeblichen Last Europas. Die Abstimmung vom vergangenen Juni wird da zu einem kathartischen Erlebnis, das die Briten zum glücklichsten Volk Europas gemacht habe. Man fragt sich, von welchem Grossbritannien diese Leute sprechen. Wer das Land nur ein bisschen kennt, weiss: Ein paar Monate nach dem Brexit-Entscheid ist es gespaltener als zuvor. Es durchleidet einen ewig scheinenden Nervenzusammenbruch. Beispiele?

Da ist der Kommunalpolitiker der Konservativen, der in einer Petition ans Parlament fordert, all jene wegen Verrat anzuklagen, die sich nach wie vor für den Verbleib Grossbritanniens in der EU aussprechen. Darüber könnte man lachen, wenn diese Art von Verschwörungsdenken nicht schon in die höchsten Regierungskreise vorgedrungen wäre. Der Sekretär des Brexit-Ministers, der für die Tories im Unterhaus sitzt, rief über Twitter alle «Patrioten» auf, die Wirtschaftszeitung «Economist» (keine linke Publikation) abzubestellen – sie jammere und nörgele nur über den Brexit.

Englands Rassisten «take back control»

Da sind die Übergriffe auf Ausländer und andere Minderheiten, die nach dem Referendum nachweislich zugenommen haben. Einwanderer werden auf den Strassen vermehrt beleidigt, angespuckt und attackiert. Nachdem Jugendliche in London einen Polen totgetreten hatten, intervenierte die polnische Regierung. Auch Schwule und Lesben berichten von einer massiven Zunahme von Anfeindungen. «Take back control», der Slogan, mit dem die Brexit-Kampagne warb: Auch Englands Rassisten nehmen ihn sich offenbar zu Herzen.

Und da ist die gewaltige Unsicherheit über die künftigen Beziehungen des Landes zu Europa, die alles verblassen lässt, was die Schweiz mit der Masseneinwanderungsinitiative durchlebt. Brexiteers bejubeln zwar, dass der konjunkturelle Einbruch ausgeblieben ist – was kaum erstaunt, denn noch ist Grossbritannien ja Teil des Binnenmarkts. In dieser Lesart wird der historische Tiefstand des Pfunds dann auch zur Chance für die seit Jahrzehnten schwachen Exporte. Man will sich gar nicht vorstellen, wie gross die Enttäuschung sein wird, wenn der wirtschaftliche Post-Brexit-Triumph nicht eintritt. Irgendjemand wird dafür verantwortlich gemacht werden – und die EU kann es nicht mehr sein.

Mein Grossbritannien: Es ist ein gutes Stück hässlicher geworden.

 

Der Beitrag Unsere Englandversteher erschien zuerst auf Politblog.


Klick HIER: zum lesenswerten Originaltext Unsere Englandversteher

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/66326/unsere-englandversteher/Unsere Englandversteher

Hoffentlich kommmt bald wieder ein Bericht zu diesem Thema

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