Nachricht aus Zürich: Wie die Zeit (und anderes) verging

Lesenswerter Text zu diesem spannendem Thema aus Zürich.

Schaad Märkli bellevue Stehsatz Autor: Thomas Wyss

Ja, wie die Zeit vergeht! Das ist eine der raren unbestreitbaren Tatsachen und darum als Feststellung immer wieder passend. Beispielsweise in der lauen Phase des Tischgesprächs am Silvesterabend. Und im Fussballstadion, wenn das eigene Team verzweifelt dem Ausgleich nachrennt (an dieser Stelle könnte man anmerken, dass das bei GC derzeit häufiger vorkommt als beim FCZ, doch irgendwie wär das daneben, weil Thun, St. Gallen oder Vaduz ganz andere Kaliber sind als Chiasso, Schaffhausen oder Wohlen, deshalb lassen wirs bleiben und geniessen so, wie der Challenge-League-Kenner geniesst, nämlich schweigend). Oder, wichtiger, wenn die Smartphone-Agenda piepsend daran erinnert, dass man dem Göttimeitli schon wieder ein Geburtstagsgeschenk besorgen muss (wobei es im fortgeschrittenen Alter, wenn die Menge der Dinge, die man vergisst, grösser ist als die Menge der Dinge, die man noch weiss, angeblich vorkommen kann, dass einem dieses Piepsen in Erinnerung ruft, dass man überhaupt ein Göttimeitli hat).

Ja, und besonders gut passt die Feststellung natürlich zur saisonalen Zeitumstellung, wie letztmals in der Nacht vom 26. auf den 27. März, als es um zwei Uhr plötzlich drei Uhr war, die Zeit also eher verschwand (wie bei einem tollen Zaubertrick) als zu vergehen (wie Butter im Pfännchen), nur um in der Nacht von heute auf morgen um drei Uhr wieder aufzutauchen – was Zürichs hobbymässige Philosophen auf der einen und Zürichs pathologische Kiffer auf der anderen Seite stets zum Spintisieren anregt, wo diese mysteriöse Stunde das halbe Jahr zugebracht haben könnte (das Uhrenmuseum Beyer an der Bahnhofstrasse wird dabei übrigens oft genannt, öfters jedenfalls als «im Raum-Zeit-Kontinuum» oder «an einem Strand auf Maui». Was unterstreicht, dass man in dieser Stadt die eigene, konkrete Heimeligkeit der Relativitätstheorie und wahrscheinlich auch der Fernreise vorzieht . . . wobei betont sei, dass das Uhrenmuseum Beyer so oder so einen Besuch wert ist; allein der Sound des fast, aber nicht ganz synchronen Tickens der dortigen Exponate ist eine Wucht, er klingt ähnlich trippig wie die Stücke des Aphex-Twin-Werks «Selected Ambient Work 85–92»).

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Pjotr Kraska

Ja, und dann wäre da noch die Zeit zwischen den zwei Zeitumstellungen. In diesen sechs Monaten verging unter anderem die Manifesta, die trotz dem «Pavillon of Reflections» kaum zu Reflexionen anregte; Zürichs people do for money noch dasselbe, was sie schon davor taten – arbeiten, betteln, dealen, klauen, lügen, täuschen, töten. Es verging auch das Leben von Zürichs «König» Pjotr Kraska und dasjenige von Zürichs Ur-Polizeisprecher Emil Aeberli, die Existenz der Fraumünsterpost, der gute Ruf von Gewerkschafter Roman Burger (und in diesem Kontext mancher Frau die Lust auf Männer) und die Frist zur Einreichung der Steuererklärung. Dafür verging kaum ein Tag, ohne dass man jemand über den «elenden Stress» hätte jammern hören.

Ja, und nun wird dann auch gleich die Lesezeit dieser Kolumne vergangen sein, sie dürfte zwischen 3:58 und 4:14 Minuten betragen haben (was vor allem an den vielen blöden Klammern lag, ansonsten wärs bestimmt schneller gegangen, wohl so um 3:27 Minuten).

Der Beitrag Wie die Zeit (und anderes) verging erschien zuerst auf Stadtblog.


Hier: ZUR SPANNENDEN QUELLE DES TEXTES Wie die Zeit (und anderes) verging

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/10/29/wie-die-zeit-und-anderes-verging/Wie die Zeit (und anderes) verging

Dem Autor ist die Kunst gelungen ein komplexes Thema interessant und lehrreich nahe zu bringen.

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