Frisch aus Zürich – Topnews: Ich war nie im Koch-Areal

Ein lesenswerter Bericht für alle Zürich-Interessierten.

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Letzte Woche war ich in Bern, an einer Veranstaltung der historischen Fakultät. Nachher gabs ein Nachtessen im Lokal auf der anderen Strassenseite, «wo früher Wladimir Iljitsch Lenin ein paar Mal gegessen hat», erzählten die Historiker. Der Gründervater der Sowjetunion sei in eine Kellnerin verknallt gewesen. Wobei ich über Lenins Geschmack bezüglich Frauen fast nichts weiss. Zählte für ihn der Charme? Oder die Hingabe zum Sozialismus?

Das Restaurant wurde seither umgebaut, man isst jetzt italienisch. Mir gegenüber sass eine junge Journalistin des Wiener «Standards», der Zeitung der österreichischen Intelligenz. Die Assistenten der Fakultät berieten, was sie ihr von der Stadt zeigen könnten. «Kennst du die Reitschule?», sagte der Junge mit der schwarzen Hornbrille.

«Reitschule?», sagte die Journalistin, «ich kann doch nicht reiten.»

«Was ist an der Reitschule so besonders?», mischte ich mich ein, «besetzte Häuser mit Kulturzentren gibts überall. Vom Staat tolerierte Spielwiesen

«Die Reitschule wird immer noch basisdemokratisch geführt», sagte eine Historikerin stolz, «als eines der wenigen Kulturzentren in Europa.»

«Und sie ist wichtig für das Berner Nachtleben», ergänzte der Assistent mit der Hornbrille.

Es war, als würde man in Zürich das Koch-Areal zur Sehenswürdigkeit erklären. Nun, vor ein paar Jahren war die besetzte Binz tatsächlich eine Attraktion. Eine richtige Sehenswürdigkeit, ein grosses Kunstobjekt. Im Koch-Areal war ich aber noch nie. Ich hätte Hemmungen. Besetzer soll man in Ruhe lassen, ausser sie laden dich ein.

Fünfmal wurde in Bern über die Zukunft der Reitschule abgestimmt. Jedes Mal fanden die Bürger, dass die Stadt das Kulturzentrum unterstützen soll. Letztes Jahr hat Erich Hess, der Nachwuchspolitiker der SVP, eine kantonale Volksinitiative lanciert: Der Stadt Bern soll die kantonale Kultur­förderung gestrichen werden, wenn sie die Reitschule weiter unterstützt.

Ich habe Erich Hess vor ein paar Jahren an einer Podiumsveranstaltung in der Berner Provinz erlebt, sein Gegenspieler war der damalige Jungsozialist Cédric Wermuth. Hess war unter der Gürtellinie, pöbelhaft, ich habe selten einen solchen Politiker erlebt.

Nach der Diskussion fuhr er nach Bern zurück, Cédric Wermuth fragte, ob er mitkommen könne. Hess sass am Steuer, Wermuth auf dem Beifahrersitz, ich hinten, sie unterhielten sich über ihre Karrieren. Wermuth rechnete sich im Aargau Chancen aus, in den Nationalrat gewählt zu werden. Hess hatte in Bern damals noch null Aussichten, bestehende Nationalräte zu verdrängen. «So ist es halt, wenn man in einer erfolgreichen Partei ist», stichelte er. Die zwei machten Witze, als wären sie in der Wandelhalle des Parlaments. Vier Jahre später ist auch Hess in den Nationalrat gewählt worden.

Jetzt wird also bald zum sechsten Mal über die Reitschule abgestimmt. Wird es die letzte Schlacht? Gelingt es Erich Hess, die Wut der Leute draussen im Kanton anzustacheln? Die Wut auf die «Terroristen und Chaoten» beim Bahnhof Bern? Auch in Zürich wird die Wut angeheizt – auf die Leute vom Koch-Areal. Wie gesagt, ich war noch nie dort. Wahrscheinlich als Einziger von denen, die jetzt mitreden.

Der Beitrag Ich war nie im Koch-Areal erschien zuerst auf Stadtblog.


Klick HIER: ZUM AUSSERORDENTLICH TOLLEN ORIGINALARTIKEL Ich war nie im Koch-Areal

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/11/02/ich-war-nie-im-koch-areal/Ich war nie im Koch-Areal

Der Verfasser hat das Topic kurz und doch umfassend beschrieben.

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