Frisch aus Zürich – Topnews: E wie Ende

Sehr fundierter Artikel, die für das Lesen investierte Zeit lohnt sich für alle die sich für Zürich interessieren.

Emil Steinberger in der Garderobe im Schauspielhaus Zürich. (Foto: Sabina Bobst)

Emil Steinberger in der Garderobe im Schauspielhaus Zürich. (Foto: Sabina Bobst)

Heute mache ich etwas, was in der Schweiz eigentlich nicht erlaubt ist. Ich kritisiere Emil Steinberger. Ich muss das machen, weil ich seine Vorstellung «Emil – no einisch!» misslungen fand. An der Person Emil will ich aber nichts mäkeln.

Zurzeit tourt Emil durch die Schweiz und hat diese Woche Halt im Schauspielhaus gemacht. Beide Vorstellungen waren ausverkauft. Es gibt erst wieder im März des nächsten Jahres freie Tickets (dann in Basel).

Den grössten Applaus hat Emil mit seinem «Chileli vo Wasse» erhalten. Der 83-Jährige spielte das Stück ähnlich virtuos wie vor 40 Jahre. Natürlich wussten alle auswendig, wo die Gags versteckt sind und was Emil gleich sagen wird. Trotzdem lachte das Publikum gleich laut wie schon auf den alten Kassetten-Aufnahmen  vor 40 Jahren.

Ich hätte mir aber gewünscht, dass der Komiker seine Stücke ein bisschen ändert und auf das 21. Jahrhundert eingeht. Dass man mit der Eröffnung des neuen Tunnels das «Chileli von Wasse» gar nicht mehr sieht, darauf hätte Emil ja einen kleinen Scherz machen können. Und dass man in den heutigen Zügen die Fenster nicht mehr öffnen kann, das ist jetzt halt ein Fakt. Das gleiche gilt übrigens für die Türen. Auf diese und andere Details nimmt Emil aber gar keine Rücksicht. Nein, das ist ihm alles egal.

Nur in den Einleitungen zu den altes Sketches, versucht er manchmal neue Sprüche: «Was haben Feng Shui und King Kong gemeinsam?» (Riesenlacher), «Man kann sich gar nicht langweilen als Senior.» (Riesenlacher), «Seid ihr alle gesund und buschper?» (Riesenlacher).

Ich habe mich sehr schnell gelangweilt. Was soll ich machen? Die Pointen zünden einfach nicht mehr. 40 Jahre alte Witze. Gähn. Hätte er doch ein bisschen Geld investiert und zwei, drei junge Autoren genommen und die Stücke sanft geändert.

So spult Emil seine Texte einfach runter und verlässt sich auf sein treues Publikum. Aber das geht nicht. Auch Woody Allen (80) geht mit der Zeit. Den jungen Verliebten spielt er schon seit Längerem nicht mehr.

Die Frage bleibt also offen: Warum geht Emil eigentlich auf Tournee? Die Wiederholungen haben keinen künstlerischen Wert.  Will er uns beweisen, dass er auch im hohen Alter alle Stücke auswendig kann? Braucht er Geld? Ist ihm vielleicht langweilig?

Der Beitrag E wie Ende erschien zuerst auf Stadtblog.


Click: ORIGINALARTIKEL E wie Ende

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/11/03/e-wie-ende/E wie Ende

Dieser gelungene Bericht behandelt das Thema in unterhaltsamer und doch lehrreicher Art und Weise.

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