News aus Zürich: Wertschätzung, die andere

Ein lesenswerter Artikel zum Thema “Zürich”

Schaad Märkli bellevue Stehsatz Autor: Thomas Wyss
«Moin, moin und herzlich willkommen in einer Trump-freien Zone, liebe Leserinnen und Leser!»: Diese nervenberuhigende Phrase hätte eigentlich die Glocke zum Auftakt dieses jüngsten Gefechts bimmeln sollen. Selbstverständlich hätten wir auch konsequent aufs grenzenlose Gejammer und auf tumbe Blondinenwitze («What does the Donald and a pornstar have in common? They are both experts in switching positions in front of a camera.» Oder, noch mieser: «How does Trump plan on deporting 12 million illegal immigrants? Juan by Juan.») verzichtet. Ja, das war die Idee.

Bis wir perplex konstatieren mussten, dass das heutige Thema – obwohl es von einer Zürcher Verhaltensauffälligkeit handelt – doch ziemlich viel mit dem neuen US-Präsi zu tun hat. Sorry for that.

Jedenfalls: Der Ursprung der besagten Verhaltensauffälligkeit, das mag erstaunen, ist ein simples Wort. Und dieses Wort döste bildlich gesprochen seit dem Spätmittelalter als harmloses, geschätztes und samtpfotenes Tier in einer Höhle an der lauschigen Peripherie der Realität vor sich hin. Bis es entweder durch eine genetische Fehlfunktion oder evolutionären Druck – die Experten sind sich noch uneins – Charakter und Gestalt änderte, die Höhle verliess und fortan als Monster seine spitzen Klauen verletzend in unseren urbanen Alltag hackte und . . .

Genug der Fabeln! Nennen wir das Biest beim Namen, es heisst Wertschätzung. Im Duden wird der Begriff nach wie vor so definiert: Wertschätzung, die (Substantiv). Der Sachverhalt, dass Menschen jmdm. Achtung, Bewunderung und Respekt entgegenbringen.

Bei der Neuinterpretation des Begriffs würde der Wörterbucheintrag etwa so lauten: Wertschätzung, die andere (Substantiv). Der Sachverhalt, dass Menschen jmdm. nur nach dessen Wert (gesellschaftlich, pekuniär etc.) bemessen – und dann je nach Befund akzeptieren oder ablehnen.

Drastisch ausgedeutscht: Ähnlich wie der Gutachter eine zufällig auf dem Estrich gefundene Uhr fachmännisch emotionslos begutachtet und einschätzt, stellen Frau und Herr Zürcher jegliche Empathie auf Pausenmodus und beurteilen den Mitmenschen ausschliesslich nach potenziellem Nutzen (Ist sie bekannt? Attraktiv vernetzt? Hat er Kohle? Wenigstens viele FB-Freunde? etc.), und lässt sich je nachdem auf sie ein – oder halt nicht. Beziehungsweise in bestehenden Beziehungen/Freundschaften: Schreibt ihn ab und ersetzt ihn durch was Besseres oder Passenderes . . . wobei die Wertüberprüfung nicht einmal im Leben, sondern eher einmal pro Woche stattfindet. ( Jene, die jetzt «Bullshit!» und «Frechheit!» keifen, bitte die abgelaufene Dekade offen und ehrlich Revue passieren lassen – und immer bedenken: Wer nicht Täter war, war ja allenfalls Opfer.)

Warum sich diese «andere», respektlose Wertschätzung gerade in dieser Stadt ausbreiten konnte (und das nicht bloss im Privat-, sondern ebenso im Businessbereich), ist allerdings ein Rätsel: Wie beim Fondue und den Käsen cheese-fondue-13wars doch auch in unserer Gesellschaft stets die Mischung aus rezenten und milden, harten und weichen Leuten, die zum Erfolg führte.

Tja, wer weiss, eventuell wirkt der Schock aus Übersee ja heilsam – und führt zur Rückbesinnung auf die «alte» Wertschätzung. Trump makes Züri great again? Klingt gar nicht so übel.

Der Beitrag Wertschätzung, die andere erschien zuerst auf Stadtblog.


Click: ZUM GANZEN EHERINGETIP Wertschätzung, die andere

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/11/12/wertschaetzung-die-andere/Wertschätzung, die andere

Der Autor hat mit diesem Artikel gute Arbeit geleistet!

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