Aus Zürich – aktuelle Neuigkeit: Schöngeredeter Solarstrom

Der Text trifft den Nagel auf den Kopf

(Keystone)

Unsteter, aber effizienter Energielieferant: Sonnenenergie überfordert unsere derzeitigen Speichernetze. (Keystone)

Gemäss Energiestrategie 2050 sollen bis 2035 jährlich rund 11 Terawattstunden (TWh) zusätzlicher Strom aus erneuerbaren Energiequellen in das Schweizer Stromnetz fliessen. Das würde etwa der Jahresproduktion des AKW Leibstadt bei Volllast entsprechen. Im Fall von alleinigem Solarstrom wären dazu mindestens 55 km² schattenfreie PV-Kollektoren erforderlich. Das entspricht schweizweit pro Wohnung 10 bis 20 m² Kollektoren, was kostenmässig selbst mit Blick auf Entsorgung und Ersatzinstallationen in 30 bis 40 Jahren noch erträglich wäre. Damit ist es jedoch nicht getan.

Kurzzeitspeicherung

In den unteren Ebenen ist das Stromnetz im Wesentlichen ein Stromverteilnetz, welches auch regelungstechnisch kaum die dezentrale Einspeisung von akut anfallendem Solarstrom grosser Leistungen bewältigen kann. Ein radikaler Netzumbau würde unumgänglich.

Der Kurzausgleich zwischen solarem Angebot und der Nachfrage sowie der Tagesausgleich müssten hauptsächlich durch verlustbehaftete Pumpspeicherkraftwerke erfolgen: In den Sommermonaten leisten die erwähnten 55 km² Kollektoren über Mittag durchschnittlich rund 6 Gigawatt Solarstrom, an einem sonnigen Sommertag gar mehr als 8 Gigawatt (gleich achtmal AKW Gösgen). Solche Leistungsspitzen gänzlich zu bewältigen, erfordern Pumpspeicherseekapazität, gigantische Stromzu- und ableitungen sowie entsprechende Pumpen und Turbinen. Benötigt wird zudem sehr viel Wasser zum Hochpumpen – etwa ein Drittel des mittleren Rheinabflusses bei Basel während dieser Mittagsstunden. Es sei denn, die Solaranlagen werden zur Erhaltung der Netzstabilität an sonnigen Tagen vom Netz getrennt. Die temporäre Ausserbetriebnahme der Flusskraftwerke reicht keinesfalls.

Politblog Tabelle

Tabelle: Mittlere monatliche Solarstromeinspeisung bei 55 km² horizontaler PV-Kollektorenfläche in TWh, mittlerer Schweizer Stromendverbrauch in TWh und prozentualer Solarstromanteil pro Monat am Beispiel des Standortes Tänikon TG (Datenquellen NA-BEL/MeteoSchweiz/BFE).

Gemäss Tabelle ist die Stromproduktion von 55 km² PV-Kollektoren vom November bis Februar etwa so gross wie in einem Sommermonat. Wenn der Stromverbrauch also am grössten ist und die massiv geförderten elektrischen Wärmepumpen zu Heizzwecken gefordert sind, entspricht der Solarstromanteil während vier Monaten gerade mal mickrigen 3,9 bis 10,1 Prozent des Endenergieverbrauchs – schneefreie Kollektoren vorausgesetzt.

Der geplante Übergang zu einer unsteten und asymmetrisch zum Bedarf erfolgenden Stromerzeugung dürfte daher bei den verfügbaren Speicherkapazitäten schwerwiegende Probleme bereiten: Der Netzumbau, neue Speicher- und Pumpspeicherseen samt Infrastruktur, individuelle Stromspeicher, fossil befeuerte Spitzenkraftwerke (auch für Elektroautos und als Ersatz für zukünftig verbotene Öl- und Gasheizungen?), grössere Stromimporte (von dreckigem Kohlen- oder AKW-Strom) und flankierende Massnahmen auf der Verbraucherseite kosten viel Geld. Mutmasslich ein Mehrfaches von dem, was Politik und Interessenvertreter dem Volk weismachen wollen.

Köder in Form von Subventionen

Wegen der ins Uferlose steigenden Kosten sowie den sich daraus ergebenden Sachzwängen ist der solare Umbau ohne Planwirtschaft undenkbar. Das Volk wird zudem hoffentlich bald merken, dass es für die ausgelegten Köder in Form von Subventionen aller Art letztlich vollumfänglich selbst aufkommt. Seien das nun direkte Subventionen für unwirtschaftliche Investitionen oder Subventionszusagen, mit welchen gewichtige Skeptiker der Energiestrategie 2050 auf intellektuell unredliche Art gekauft und gefügig gemacht werden.

Die Mitglieder der entsprechenden parlamentarischen Kommissionen sind zudem fast ausschliesslich Lobbyisten der Energiebranche oder dieser nahestehend. Die Vorstellungen der Wähler und damit des Volkes bleiben unberücksichtigt. Insofern ist beachtenswert, dass die SVP praktisch im Alleingang das Referendum gegen die Energiestrategie 2050 ergreift – trotz vielen Profiteuren in ihren eigenen Reihen. Denn lange sollte man das Volk nicht mehr ungefragt im Regen stehen lassen und vor kaum mehr umkehrbare Tatsachen mit horrender Kostenfolge stellen.

***

Die ungekürzte Fassung des Textes auf der Seite von René Weiersmüller.

Der Beitrag Schöngeredeter Solarstrom erschien zuerst auf Politblog.


Hier: ZUM LESENSWERTEN ARTIKEL Schöngeredeter Solarstrom

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/66429/schoengeredeter-solarstrom/Schöngeredeter Solarstrom

Dem Author ist es gelungen ein schwieriges Thema ansprechend und interessant zu besprechen

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