Zürich-News: Wie Impfgegner als Stadtarzt

Der Text trifft den Nagel auf den Kopf

Fremdenfeindin als Chefbeamtin der Sozialbehörde. Stadthaus Dübendorf

Fremdenfeindin als Chefbeamtin der Sozialbehörde. Stadthaus Dübendorf

Würden Sie einer Verkäuferin, die ihre Kunden hasst, einen Job im Detailhandel geben? Womöglich als Vorgesetzte? Oder würden Sie einen Impfgegner als Stadtarzt einstellen?  Oder einen Pyromanen als Feuerwehrkommandanten? Ich auch nicht. Das würde mir der gesunde Menschenverstand sagen, dass diese Person beruflich ungeeignet ist.

In Dübendorf ist eine Frau Chefbeamtin der Sozialhilfe, die ihre Klientel – vorallem die ausländische – verachtet und grundsätzlich der Faulheit und der Unehrlichkeit verdächtigt. Sie postet Inhalte der rechtsextremen deutschen Partei NPD, verbreitet Unwahrheiten über Flüchtlingsfinanzierung und bezieht klar fremdenfeindliche Positionen.

Natürlich werden mir geneigte Leser vorwerfen, ich agiere hier wieder mal gegen Rechts, mache «Gesinnungsbashing». Solange die Dame ihren Job anständig mache, sei ihre politische Einstellung Privatsache. Und ich muss zugeben, dass ich das wohl machen würde, wenns notwendig wär. Ist es hier aber nicht.

Es geht um Professionalität. Ich würde auch keinen Kommunisten als Chef bei der Bank wollen, auf der ich mein Geld habe. Weil sich gewisse Einstellungen mit der professionellen Ausübung einer Aufgabe einfach nicht vereinbar sind. Im vorliegenden Fall kann ich ganz auf politische Angriffe verzichten. Die Dame macht nämlich ihren Job einfach nicht anständig.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Dübendorfer Sozialhilfe in die Negativschlagzeilen gerät. Die NZZ berichtete im August 2014 über prekäre Zustände bei der Unterbringung von Sozialhilfebezügern. Von schimmligen Liegenschaften im Besitz der Agglomerationsgemeinde war die Rede, für die das ­Sozialamt Dübendorf verhältnismässig hohe Mietkosten im Budget der Sozialhilfebezüger verrechne. Profitnahme mit abbruchreifen Liegenschaften und auf Kosten der Sozialhilfebezüger, lautete der Vorwurf.

Ich bin in Dübendorf aufgewachsen, ich nehm solche Schlagzeilen etwas persönlich. Und natürlich hab ich noch die eine oder andere Verbindung in die Gemeinde. Unter anderem meldete sich eine alleinerziehende Mutter bei mir, die folgende Aussage machte:

«Man muss ums Geld betteln. Man wird behandelt, als ob man um Almosen bitte. Dabei haben wir uns doch nicht ausgesucht, in diese Situation zu kommen. Es ist entwürdigend.»

Die Missstände sind nicht etwa Einzelfälle. Es hat System hinter der Verachtung für die Sozialhilfe-Empfänger. Die Grünen-Politikerin Sutter über die Verhältnisse in ihrer Gemeinde:

«Wer unfreundlich oder abschätzig behandelt wird, kommt noch gut weg.» Immer wieder würden Personen diskriminiert, manchmal werde ihnen aus unverständlichen Gründen die Nothilfe verwehrt. Das laufe schon seit Jahren so. Negativ betroffen seien vor allem Ausländer, aber auch Schweizer. «Dafür schäme ich mich als Dübendorferin», sagt Flavia Sutter, Gemeinderätin der Grünen.

Innerhalb der Gemeinde ist die Führung des Sozialdepartements umstritten. Im Dübendorfer Stadtparlament ist es auch Anfang September zu einer Sozialdebatte gekommen. EVP-Gemeinderätin Tanja Boesch und ihr Ratskollege Hans Baumann (SP) warfen dem Stadtrat vor, er vertreibe gezielt Sozialfälle, weil die Mietvergütungen in Dübendorf so tief seien, dass sich Bedürftige keinen Wohnraum mehr leisten könnten.

Der politische Ansatz ist also nicht, dass die Chefbeamtin der Dübendorfer Sozialhilfe Inhalte rechtsextremer deutscher Parteien (die NPD steht immer knapp vor einem Verbot in Deutschland) verbreitet, sondern dass dies nur ein Hinweis darauf ist, wieso die Sozialbehörden in Dübendorf so krass versagen.

Der Stadtrat sieht da kein Problem: Befangenheit der Chefbeamtin bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen wird trotz gegenteiliger Beweise offenbar nicht befürchtet. Eine Verlegung der Leiterin Sozialhilfe in eine andere Abteilung stand nie zur Debatte. Man habe ihr eine Verwarnung zukommen lassen, damit sei der Fall erledigt. Und genau da liegt das Problem.

Wie gesagt, ich nehme das persönlich und werde an diesem Fall dran bleiben. Einfach, weil man den Grad an Zivilisation einer Gesellschaft daran misst, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Und ich will nicht, dass mein Herkunftsort in Barbarei versinkt.

Der Beitrag Wie Impfgegner als Stadtarzt erschien zuerst auf Stadtblog.


Link: zum Originaltext Wie Impfgegner als Stadtarzt

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/11/15/wie-impfgegner-als-stadtarzt/Wie Impfgegner als Stadtarzt

Gut geschriebener Artikel! Wir wünschen uns mehr Artikel zu diesem Topic!

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