Topaktuelle Zürich – Nachricht: Drogen, Neid und Nachtgeflüster

Lesenswerter Artikel über ein interessantes Zürcher Thema.

Ein Leben zwischen Neid und Abstuirz: Benjamin von Stuckrad-Barre

Vier Jahre Zürcher Nachtleben in extremis: Benjamin von Stuckrad-Barre.

Benjamin von Stuckrad-Barre hat vorgestern Samstag im Zürcher Schauspielhaus aus seinem neuen Buch «Panikherz», in dem er auch seine vier, von Drogen, Ausschweifungen und Nightlife geprägten, Zürcher Jahre aufarbeitet vorgelesen. (Interview hier)

Jede Leseratte, die sich 1998 im Zürcher Nachtleben bewegte, hat Benjamin von Stuckrad-Barres Buch «Soloalbum» gelesen: Hier schreibt einer von uns, einer der weiss, was uns tatsächlich umtreibt. Soloalbum war damals der eine Roman der das Leben all jener auf den Punkt brachte, die sich damals die Nächte unter einer Discokugel um die Ohren geschlagen haben.

Als Stuckrad-Barre vier Jahr später nach Zürich zog, war er ein Star – und zwar einer mit einem ausgeprägten Faible für das Partyleben und all seine Begleiterscheinungen. Die Szene hat ihn umgehend vereinnahmt, ihre extrovertiertesten Anführer haben sich um ihn geschart und Stuckrad-Barres Exzesse wurden zum ersten Gesprächsthema an Bars und vor Clubs.

Wie oft kommt es denn vor, dass eine internationale Berühmtheit nach Zürich zieht und sich dann auch noch mit Schwung ins hiesige Nachtleben stürzt? Klar, Tina Turner ist in den 90er Jahren hierhergezogen, aber sie war damals schon weit über 50 und ihre Nightlife-Affinität hat sich auf gelegentliche Besuche des Kaufleutens und da vor allem des Restaurants beschränkt.

Stuckrad-Barre war bei seinem Umzug nach Zürich 2002 noch nicht einmal 30 Jahre alt und ein reinrassiger Partylöwe, der scheinbar keine Grenzen oder Tabus kennt: Schnell rankten sich die fantastischsten Anekdoten um ihn, die man sich entweder unter Gelächter oder mit abschätziger Missgunst erzählte, je nachdem ob man sich zu Stuckrad-Barres Entourage zählen durfte oder nicht.

Obschon sein Dunstkreis bereits nach kurzer Zeit beachtliche Dimensionen angenommen hatte, so war die Zahl jener die keinen Zugang zu ihm fanden dennoch stets viel grösser und die der Neid-geschwängerten Gehässigkeiten in den Geschichten über ihn damit ebenfalls. Man kannte ihn zwar nicht, mochte ihn aber noch weniger.

«Die Stadt und ihre Bewohner wissen sehr genau um ihre Vorteile gegenüber der Restwelt und sind ebenso gut informiert über ihre Schwächen. Eine interessante Mischung aus Minderwertigkeitskomplex und gleichzeitiger Überheblichkeit».

Mit diesen Sätzen, die Stuckrad-Barre Cherix ins Notizbuch diktiert, bringt er auch die sich aus ihnen erschliessende und fürs Zürcher Nachtleben prägende Neid-Unkultur in dessen Kastensystem auf den Punkt: «Zählst du nicht zu den Meinen und stehst in der Hackordnung unter mir, dann ignoriere ich dich. Zählst du nicht zu den Meinen und stehst über mir, dann verfolge ich jeden deiner Schritte und versuche dir wenn immer möglich ein Bein zu stellen».

Man braucht nicht wie Stuckrad-Barre nach Deutschland zu ziehen, um dieses Dauer-Hickhack Zürcher Prägung aus der Ferne mit einem Lächeln goutieren zu können: Seine Funktionalitäten zu durchschauen und eine gesunde Portion Gelassenheit reichen vollkommen.

alex-flach2-150x150-1-1Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

 

Der Beitrag Drogen, Neid und Nachtgeflüster erschien zuerst auf Stadtblog.


Click: ZUR UMFASSENDEN QUELLE DES TEXTES Drogen, Neid und Nachtgeflüster

http://blog.tagesanzeiger.ch/stadtblog/2016/11/21/drogen-neid-und-nachtgefluester/Drogen, Neid und Nachtgeflüster

Ausgezeichnet verfasster Bericht, davon lesen wir gerne mehr!

Advertisements
Tagged with: , , , , ,
Posted in Zürich: Top aktuell

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: